Die ‘Klinsi’-Formel: Think big und präzise planen

Management

Physikalisch gesehen bewegen sich Teilchen mit zunehmender Wärme immer heftiger. Heiße Sommermonate bewirken in der deutschen Gründerszene in der Regel das Gegenteil.

Es kommen immer weniger Businesspläne. Sommerferien. Ist ja verständlich. Im Oktober geht es dann wieder aufwärts (gähn). Normalerweise kommen dann Anfang des Jahres die meisten Businesspläne. Eben dann, wenn die Umsatzzahlen vom Vorjahr doch nicht so gut ausgefallen sind und der Geldbedarf steigt. Die Bank sagt dann auch zum wiederholten Male Nein und dann muss im März eben das Eigenkapital ran. (Bin ich zu sarkastisch? Liegt an der Hitze!)

Das ist aber die falsche Motivation. Man sollte doch meinen, dass die Finanzierung eines Unternehmens oder einer Gründung genau geplant wird, aber offensichtlich findet das so nicht statt.

Ideen sind da

Wobei das, was dann normalerweise kommt (Businesspläne), qualitativ gesehen reichlich wenig ist – im Vergleich zu anderen Ländern, etwa den USA, auch quantitativ. An den richtigen Ideen liegt es nicht. Die gibt es in Deutschland nämlich (stimmt das wirklich?). Das belegen zum Beispiel die Patentanmeldungen, bei denen Deutschland seit vielen Jahren weltweit eine führende Rolle einnimmt (sagt man immer!).

Aber (siehe unten) wir schafften es nicht, diese Ideen in kleine, stark wachsende Unternehmen “umzusetzen” (Arbeitsplätze, Steuer: Kuchen vergrößern statt nur bürokratisch zu verteilen). Oder sind die Ideen dazu nicht wirklich geeignet und wir machen uns bei der Statistik etwas vor? Da stimmt etwas nicht, und mir hat in den 23 Jahren meiner Tätigkeit im VC-Bereich noch niemand wirklich schlüssig erklären können, weshalb das so ist.

Think big

Aber gehen wir mal davon aus, dass die Ideen da sind (positiv denken). Warum dann nicht die Unternehmen? Risikokapital ist im Prinzip verfügbar. Zwar sehr selektiv, aber man kann es bekommen. Von VCs oder Business Angels: Man sollte allerdings eine Vision haben. Groß denken ohne Größenwahnsinn. Das fällt uns Deutschen, nicht nur historisch, sondern auch in dem hier gemeinten Sektor, relativ schwer.

Statt Bayern (ich hätte auch Blankenese, Stuttgart oder Frankfurt an der Oder sagen können) muss man Europa oder bereits die Welt im Blick haben. Da hat sich die Welt während der letzten zehn Jahre dramatisch verändert. Oft ist es eine Notwendigkeit, aber oft auch eine Chance: Ein Produkt muss für einen großen adressierbaren Markt entwickelt werden. Einen Markt, der exponentielles Wachstum verspricht. Und nicht nur ein Umsatzplus von jährlich fünf Prozent. Oder ist die “kleine Variante” doch die einfachere (oder die sicherere)?

Ein zusätzliches Kriterium bei Investments von VC-Gebern ist die “Markteintrittsbarriere”. Das bedeutet: Wie viel Zeit braucht jemand mit richtig viel Geld (oder in China), um eine Idee zu kopieren? Gibt es spezielles Know-how oder Patente, die zumindest zeitlich begrenzten Schutz geben und den Vorsprung vor potenziellen Mitbewerbern sichern? Aber das ist jetzt fast schon zuviel verlangt (bei der Hitze).

Gründer-Euphorie und das Deutsche Wesen

Und dann der Wille zum Erfolg. Jürgen Klinsmann hat gezeigt, wie weit man es als Manager bringen kann. Mit Motivation und vor allen Dingen mit einer präzisen Planung und einem guten Netzwerk. Das hat uns Deutsche und die Welt total überrascht; vielleicht uns mal wieder mehr (Selbstvertrauen!) als den Rest der Welt (außer Brasilien, Italien und England). Normalerweise hoffen wir auf den Titel (ohne es natürlich zuzugeben), aber die Vorbereitung im Team lässt dann zu wünschen übrig. Von wegen deutsche Gründlichkeit (nicht bei Klinsi).

Wir machen sicher etwas gründlich, wenn uns jemand die Richtung bereits vorgegeben hat (historische Vergleiche sind hier auch bewusst gemeint). Aber den eigenen Kopf anstrengen und eine Richtung vorgeben, das liegt uns nicht (deshalb find ich es gut, dass Klinsi jetzt nicht weitermacht; es ist das Team und das Konzept!).

Man ist an der Uni und forscht oder bei einem Großunternehmen und meldet Patente an, weil es da eben so gemacht wird (daher kommt dann die gute Statistik). Das Ganze dann aber in ein Unternehmenskonzept umzusetzen, fällt uns unendlich schwer. Nur die Verrückten unter uns sind dazu bereit, aber oftmals nicht wirklich in der Lage dies zu tun. Und entsprechend oft geht es dann auch schief. Aber da sind wir schon beim nächsten “Manko” (oder der nächsten Kolumne).

Aber vielleicht ist ja die WM-Euphorie auf die Unternehmer und Gründer übergesprungen  und wir erleben einen heißen Herbst oder zumindest ein interessantes Jahr 2007.

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