Netscape stirbt am 1. Februar

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Netscape, einer der ersten breit verfügbaren Browser, wird nicht mehr weiterentwickelt. Microsoft dürfte das freuen. Die Reste der Firma sollen auf das Werbegeschäft ausgerichtet werden.

Die Deadline für ‘Netscape Navigator’ ist für den 1. Februar gesetzt, meldete AP. Dann wird der erste kommerzielle Web-Browser zwar noch zum Download zur Verfügung stehen. Doch die Besitzer kalkulieren bewusst ein, dass die Attraktivität und damit die Nutzerzahl ab diesem Zeitpunkt rapide abnehmen werden.

Wie Time Warner AOL weiter bekannt gab, soll auch der Support nach diesem Datum auslaufen. Der Konzern will sich dann vor allem auf Themen wie Online-Werbung konzentrieren, hieß es. “Interne Gruppen haben viel Zeit und Energie in die Wiederbelebung des Netscape Navigator gesteckt, trotzdem konnten wir aber bei den Marktanteilen gegen Microsofts Internet Explorer nichts ausrichten”, resümierte Netscape-Chef Tom Drapeau in einem Blog-Eintrag.

Der Browser, der einst ein Synonym für das Internet schlechthin war, hat mit dem Einstieg von Microsoft in den Markt viele Federn lassen müssen. Der Konzern erklärte jetzt die Kapitulation vor Microsofts Internet Explorer. Vor allem in den Jahren nach dem Kauf 1999 durch Time Warner AOL hat sich Netscape Navigator zum Abklatsch von offenen Browsern wie Firefox entwickelt. Die Netscape-Entwickler packten einfach spezifische Extensions an den freien Browser. Die Innovation, für die der Browser einst bekannt war, wurde bereits seit längerem zurückgefahren. Der Konzern startete zunächst Versuche, den Namen für Dial-up-Dienste und ähnliches zu benutzen. Einzig das Netscape-Portal soll jetzt von dem Browser übrig bleiben. Den Nutzern raten die Entwickler und Manager, bald auf den Firefox umzusteigen.

Netscape ging auf ein Projekt an der University of Illinois zurück. Am National Center for Supercomputing Applications scharte sich im April 1993 ein Team von Studenten und Professoren um einen Browser, der die Nutzung des noch jungen World Wide Web erleichterte. Die zuvor rein textbasierte Internet-Nutzung war auf wenige Freaks und Wissenschaftler beschränkt, mit dem Browser konnten Grafiken und Ton integriert werden, die Anzeige solcher Inhalte wurde nicht mehr separat gehalten, sondern direkt eingebunden. Die Geschäftschancen wurden aber erst von wenigen gesehen. ‘Mosaic’ diente reinen Forschungszwecken. Einer der Studenten, Marc Andreesen, zeigte den richtigen Riecher, als er mit dem Wissen aus dem Projekt 1994 eine kommerzielle Firma gründete, die die Technologie in den Netscape Navigator einbaute. Bereits 1995 war Netscape erfolgreich genug um an die Börse zu gehen, Andreesen wurde als Unternehmer-Superstar gefeiert.

1995 setzte der Netscape-Browser neue HTML-Standards (Hypertext Markup Language) durch und rüttelte auch kommerzielle Anbieter wach. Erst 1996 erkannte auch EDV-Marktführer Microsoft den Trend. Die erste Version des Netscape Navigator kam 1994 auf den Markt. Mitte der 90er Jahre hatte das Unternehmen einen Marktanteil von bis zu 85 Prozent.

Microsoft gelang es aber mit einem Coup, den Marktführer vom Thron zu stoßen: Die Koppelung des eigenen Browsers mit Windows und die Tatsache, dass es den Browser im Gegensatz zu Netscape Navigator sogar gratis gab, sorgten für einen Wechsel an der Spitze. Die Verknüpfung von Windows und Internet Explorer rief zwar ein jahrelanges Kartellverfahren in den USA hervor. Faktisch kann sich der Redmonder Konzern aber am 1. Februar als Sieger des Browserstreits betrachten. Aber es gibt Verfolger: Denn der Konzern wird in diesem Bereich sehr erfolgreich von Mozillas Firefox angefochten.