IBM gibt HPs Itanium noch maximal fünf Jahre

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IBM machte jetzt mit scharfen Angriffen auf die Hardware-Konkurrenz von sich reden. Hewlett-Packard (HP) werde seine Itanium-Reihe noch maximal fünf Jahre halten können und mit Sun Microsystems sei auch nicht mehr viel los.

Obwohl HP steigende Umsätze bei Itanium zu verzeichnen hat, eine feste Roadmap verfolgt, eigenen Angaben zufolge zufriedene Stammkunden vorweisen kann und strategische Entscheidungen für die Prozessoren trifft, äußerte IBM solche Prognosen.

In einem Interview mit Ashlee Vance für das Magazin ‘The Register’ machte Scott Handy, Vice President innerhalb von IBM Power Systems, deutlich, dass er nicht an eine Zukunft für Itanium glaube. Auch für Intel stehe eine harte Zeit bevor.

Er machte das an folgenden Faktoren fest: Zum einen sind demnach allein in den vergangenen zwei Jahren einige Kunden von Sun-Systemen und Itanium auf IBMs Power6-basierte Serversysteme gewechselt. Zum anderen könne sich nur eine große Organisation wie IBM leisten, schnelle Prozessoren wie den Power6 nur auf einzelnenen Schienen in der Produktpalette einzuführen.

Power6-Chips sind vor allem auf Midrange-Systemen und Blades eingesetzt, gelten als schnell und klein, während der Itanium bei seiner hohen Leistungsfähigkeit viel Platz beansprucht. Das allerdings wird von HP gerade als Vorteil gesehen. Itanium-Systeme wie die kürzlich vorgestellten ‘Integrity’-Server setzen auf Stabilität und besondere Funktionen.

Die Rivalen-Beschimpfung ist allerdings keine exklusive Sache von IBM, auch HP operiert hier. So sagte Michael Garri, Manager Business Critical Systems bei HP Deutschland, im vergangenen November gegenüber silicon.de: “Lösungen, die sexy sind und besonders hohe Taktraten aufweisen, sind nicht immer gleichzeitig stabil.” Schließlich sei die Leistung eines Systems unendlich zu steigern, wenn man nur genügend Systeme aneinanderschalte, geißelte er die IBM-Strategie.

Bei Itanium werde der Weg gegangen, die echten Kundenbedürfnisse im geschäftskritischen Hochleistungsumfeld zu kennen und mit Systemen zu bedienen, die über lange Zeit mit dem Kunden mitwachsen können. “Die Features bleiben dabei mitnichten auf der Strecke”, setzte er hinzu. Auch dies sind deutliche Worte gegen die Konkurrenz. Aber Intels hier eingesetzte ‘Montvale’-Chips für Itanium sind IBM zufolge viel zu spät fertig geworden. HPs Ansicht dazu hat mit der gemeinsamen Roadmap mit Intel zu tun, die den Kunden für ihre langfristigen Planungen Sicherheit bieten soll.

In den Worten von IBM-Mann Scott Handy klang aber auch ein Verweis auf gestiegene Unix-Verkaufszahlen bei IBM an, die Gewinne bescherten. “Das Ende des Itanium-Lebens wird innerhalb der nächsten fünf Jahre eintreffen; sie werden eine Art Übergangslösung finden müssen”, sagte er in Richtung HP. IBM wird den Rollout für Power6 in diesem Jahr deutlich forcieren und hofft damit, Itanium den Todesstoß zu versetzen. HP müsse schließlich all seine PA-RISC und Alpha-Kunden bedienen und verzettele sich dabei, so die IBM-Argumentation.

Ferner könne bereits der Vorläufer, Power5+, die beiden Kontrahenten HP und Sun vom Markt fegen, weil die Verbreitung so stark sei und die Möglichkeit, zwei Prozessoren anzubieten, IBM die Stellung des Platzhirsches beschere. IBM könne nach Belieben den Preis gestalten und Rabatte festsetzen. Sun und HP haben sich aber erst kürzlich auf der Liste der Server-Verkaufszahlen nach oben gearbeitet. IBM-Mann Handy wird sich im Jahr 2012/2013 an seinen Worten messen lassen müssen.