AMD: Neuer CEO, neues Glück?

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Der Chiphersteller hat ein schlechtes Jahr hinter sich. Bringt ein neuer CEO die Wende?

AMDs Aktienkurs fiel im Jahr 2007 um 63 Prozent – ein Ausdruck der Pannen im Vertrieb und in der Technik. Die Einführung des wichtigsten Produktes – des Quad-Core-Prozessors ‘Barcelona’ – scheiterte. Viele Kunden wanderten zu Intel ab, AMDs Marktanteile sanken.

Diese Kapitalvernichtung hätte in einem anderen Unternehmen zu einem schnellen Wechsel in der Chefetage geführt. Nicht so bei AMD. CEO Hector Ruiz, 62, darf auf seinem Posten ausharren.

Noch im Dezember 2007 betonte Ruiz gegenüber Finanzanalysten, dass er im Jahr 2008 nicht zurücktreten werde. Zudem ließ er sich für das Jahr 2007 ein höheres Gehalt genehmigen. Aus einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass sein Basisgehalt von 1,046 Millionen Dollar auf 1,124 Millionen Dollar stieg.

Auch wenn Ruiz so tut, als wäre nichts – hinter den Kulissen hat die Diskussion über seine Nachfolge längst begonnen. Dabei werden – wie der Branchendienst CNET von Insidern erfuhr – zwei Szenarien diskutiert. Zum einen könnte ein externer Manager die AMD-Führung übernehmen.

Zum anderen könnte Dirk Meyer, 46, zum Zuge kommen. Der Techniker ist seit 1995 bei AMD beschäftigt und war unter anderem an der Entwicklung des Opteron-Chips beteiligt. Seit dem Jahr 2001 leitete er AMDs Processor Group. Im Jahr 2006 wurde er President und Chief Operating Officer, seit dem November 2007 sitzt er im Board of Directors.

De facto teilen sich Ruiz und Meyer derzeit die AMD-Führung. Während sich Ruiz mehr auf die Beziehungen zu wichtigen Kunden und die Imagepflege konzentriert, leitet Meyer bereits einen großen Teil des Tagesgeschäftes. Möglicherweise könnte Meyer noch in diesem Jahr die alleinige Führung übernehmen, so eine Spekulation.

Doch hat Meyer auch das Zeug zum CEO? Die Frage werde AMD-intern diskutiert, so die Insider. Demnach wird allgemein anerkannt, dass Meyer ein ausgezeichneter Techniker ist. Umstritten ist jedoch, ob Meyer auch die notwendigen ‘Soft Skills’ mitbringt. Einige AMD-Mitarbeiter bezweifeln, dass er die Belegschaft motivieren, Entscheidungen durchsetzen, geschickt verhandeln und Kunden begeistern kann.

“Dieses Unternehmen ist schwer zu führen”, sagte ein Insider. Es brauche einen Chef, der im Kampf gegen Intel viel Energie mobilisieren könne. “Der CEO muss ein Drachentöter sein.” Andere Kritiker verweisen darauf, dass Meyer für die jüngsten Pannen mitverantwortlich ist.

AMD hat angekündigt, in diesem Jahr den Befreiungsschlag zu versuchen. Nach dem ersten Quartal soll die Serienproduktion des erneuerten Barcelona-Chips anlaufen. Und in der Jahresmitte soll die 45-Nanometer-Technologie eingeführt werden. Der Hersteller rechnet damit, in der zweiten Jahreshälfte wieder profitabel zu sein. Auf operativer Basis werde AMD im dritten Quartal wieder schwarze Zahlen schreiben – so die Planungen.

Kommt es jedoch zu weiteren Rückschlägen, dürften die Aktionäre wohl den Kopf von Ruiz fordern. Und übernimmt dann Meyer, obwohl er noch nicht soweit ist, dürfte das AMD nicht in ruhiges Fahrwasser bringen. So ist eine der wichtigsten Fragen, die AMD in diesem Jahr lösen muss, die Frage nach dem künftigen Firmenlenker.