Microsoft schnappt Novell Auftrag weg

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So sehr die beiden Partner ihren in Open-Source-Kreisen viel gescholtenen Pakt auch preisen – geht es ums konkrete Geschäft, kennen sie keine Freunde mehr.

Gerade bejubelt Microsoft einen Deal mit der Wittenstein AG. Der weltweit tätige Hersteller von Antriebssystemen hat seine IT-Landschaft auf eine einheitliche Microsoft-Plattform und Active Directory umgestellt. Zunächst habe man den Exchange Server 2003 implementiert. Die neue IT-Umgebung ersetzt das bisherige Mischsystem aus Novell NetWare 5.1 und SuSE Linux E-Mail Server 3.1.

Die Planung für die Migration von Novell auf Windows habe drei bis vier Monate in Anspruch genommen. Insgesamt seien 1,5 Terabyte Datenbestände mit mehr als 6000 Gruppenberechtigungen migriert und etwa 300 PCs komplett ausgetauscht worden.

Microsoft führt ins Feld, dass sich der administrative Aufwand durch die neue IT-Umgebung um etwa 70 Prozent reduziert hat. Geholfen habe dabei der Microsoft-Partner CSS GmbH. Wittenstein plane bereits den nächsten Schritt: die Umstellung auf Microsoft Windows Server 2008, Windows Vista und 2007 Microsoft Office System.

Das Mischsystem aus Novell NetWare 5.1 und SuSE Linux E-Mail Server 3.1 sei nicht mehr zukunftsfähig gewesen. Der Aufbau einer neuen und einheitlichen Novell-Plattform wurde angeblich aufgrund fehlender Schnittstellen verworfen.

Erst im November hatten die ehemaligen Erzrivalen Microsoft und Novell ein positives Fazit des Abkommens gezogen, das die Unternehmen vor einem Jahr schlossen. Damals wurde vereinbart, in drei Bereichen zusammen zu arbeiten. So werden in einer technischen Kooperation und gemeinsamer Forschung neue Produkte für die Virtualisierung und für kompatible Dokumentenformate entwickelt.

Zudem gelobte Microsoft, keine Patentklagen gegen die Anwender von Novells ‘Suse Linux’ anzustrengen. Darüber hinaus – und dies ist im Falle Wittgensteins das pikante – wurden gemeinsame Marketing-Aktivitäten vereinbart – so bietet Microsoft beispielsweise Coupons für Suse Linux an. Das Abkommen soll mindestens bis 2012 in Kraft bleiben.