Reality Check: Enterprise 2.0 in Deutschland

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Die Art und Weise, wie in Firmen zusammengearbeitet, kommuniziert und mit Wissen umgegangen wird, hat sich in den vergangenen zehn Jahren massiv verändert.

Immer häufiger arbeiten wir heute in globalen Teams mit Partnern aus verschiedenen Zeitzonen und Kulturkreisen gemeinsam an Projekten, müssen dabei möglichst immer und überall erreichbar sein und immer größere Mengen an verfügbaren Informationen in immer kürzeren Zeiträumen verarbeiten sowie in innovative Produkte und Dienstleistungen umsetzen.

Das stellt Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen: Annähernd 90 Prozent der Unternehmen, die Berlecon Research für eine aktuelle Studie befragt hat, glauben, dass die Anforderungen an eine effiziente Zusammenarbeit und den Austausch von Wissen in den vergangenen Jahren stark oder sehr stark gestiegen sind. Gleichzeitig fühlt sich aber weniger als die Hälfte der Befragten bei diesen Herausforderungen ausreichend durch ITK-Technologien unterstützt. Und das trotz – oder vielleicht auch gerade wegen – der technologischen Errungenschaften der letzten Jahre. Die Befragten kämpfen beispielsweise mit irrelevanten Informationen, die mit der massenhaften Nutzung von E-Mails einhergehen oder können die Relevanz der vielfältig verfügbaren Informationen im Inter- oder Intranet nur schwer beurteilen.

Vor diesem Hintergrund werden derzeit Enterprise-2.0-Konzepte und -Technologien intensiv diskutiert. Sie sollen es Unternehmen etwa ermöglichen, effizienter mit Informationen umzugehen, kollaborative Prozesse besser zu unterstützen und dabei interne und externe Partner flexibler einzubinden.

Bei aller Euphorie zum Thema stellt sich allerdings die Frage, ob Enterprise 2.0 in deutschen Unternehmen tatsächlich bereits als Chance wahrgenommen wird, um den neuen Herausforderungen zu begegnen. Glauben die Verantwortlichen, dass sie mithilfe von Web-2.0-Anwendungen ihre unternehmensinternen Prozesse optimieren und die Zusammenarbeit, das Wissensmanagement und die Informationsverteilung effizienter gestalten können? Und in welchem Umfang nutzen sie bereits Tools wie Weblogs, Wikis, Social Networks oder Social Bookmarking?

Um diese Fragen mit mehr als nur anekdotischer Evidenz beantworten zu können, führte Berlecon Research im Sommer 2007 im Auftrag von CoreMedia eine Umfrage zur Nutzung und Einschätzung von Web 2.0 in deutschen Unternehmen durch. Befragt wurden 156 leitende Angestellte in Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern aus so genannten wissensintensiven Wirtschaftszweigen. Denn gerade in diesen Branchen sind die Anforderungen an ein effizientes Wissens- und Informationsmanagement und damit auch das Potenzial für Enterprise 2.0 besonders hoch.

Das erste ernüchternde Ergebnis der Umfrage: Trotz des aktuellen Hypes um das Thema kennt fast ein Viertel der befragten Fachbereichsleiter in Unternehmen den Begriff Web 2.0 nicht. Von denen, die ihn kennen, glaubt jeder Vierte, dass Web 2.0 für Unternehmen nicht relevant ist.

Ebenso ernüchternd ist die noch geringe Verbreitung von Web-2.0-Anwendungen in deutschen Unternehmen: Tools wie Social Networks, Blogs, Wikis, RSS Reader oder Social Bookmarking werden – wenn überhaupt – derzeit vor allem von vereinzelten Mitarbeitern genutzt. Nur ein marginaler Anteil der Unternehmen setzt Web-2.0-Anwendungen bisher abteilungsübergreifend (3 bis 10 Prozent) oder gar unternehmensübergreifend (2 bis 6 Prozent) ein.

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