Oracle wittert Morgenröte

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Finanzchef sieht das Ende der IT-Krise voraus

Oracle, kalifornischer Anbieter von Datenbanken und betriebswirtschaftlicher Software, sieht sich im Aufwind. Der Finanzchef des Hauses, Jeff Henley, hat auf der derzeitig in San Francisco stattfindenden User-Konferenz geäußert, das Jahr 2003 könne endlich die Wende für den zweitgrößten Softwarehersteller bringen.

Nach zwei Jahren Umsatzschwund hat das Unternehmen auch im ersten Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2003 rückgängige Umsätze zu verbuchen gehabt. Ingesamt wurde bei neuen Software-Lizenzen und Lizenz-Updates ein Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar erzielt; er ging damit um neun Prozent zurück. Der Umsatz für neue Lizenzen lag bei 549 Millionen Dollar. Das entspricht einem Rückgang um 23 Prozent.

Damit fielen die Umsätze des Softwarekonzerns das sechste Mal in Folge. Henley spricht von der schlimmsten Rezession seit den 70er Jahren.

Allein die Einnahmen mit Software-Lizenzen für Updates stiegen um 9 Prozent auf rund 620 Millionen Dollar.

Insgesamt hat Oracle im vergangenen Quartal jedoch einen Gewinn von 386 Millionen Dollar erzielen können, vor einer außergewöhnlichen Ergebnisbelastung aus der Investition in Liberate Technologies. Unter Einbezug der Sonderbelastung betrug der Reingewinn auf GAAP-Basis 343 Millionen Dollar. Dennoch liegt damit die operative Marge bei 29 Prozent, verglichen mit 33 Prozent im letzten Jahr.

“Im ersten Halbjahr 2003 werden sich für uns die Dinge ändern”, verkündigt Henley nun auf der internationalen Anwenderkonferenz. Seinen Beobachtungen zufolge werden dann viele Firmen laufende Projekte abgearbeitet haben und bereit sein für neue.

Zumindest für Europa sieht das das Marktforschungsunternehmen Gartner Group anders. Die Analysten gehen davon aus, dass das hastige Investieren in E-Commerce-relevante Projekte in den Boom-Jahren noch eine ganze Zeit lang eine Notwendigkeit für das Aufsetzen neuer IT-Vorhaben erübrigt.

Ihrer Erfahrung gemäß steht eher ein Großreinemachen in den DV-Umgebungen der Anwenderunternehmen an, was zur Konsolidierung und zum Ordnen der Infrastruktur führt.

Henley aber verbreitet Optimismus. “Die Leute neigen dazu zu vergessen, dass die Technik-Branche ein zyklisch funktionierender Industriezweig ist”, sagt er. “Unsere Vermutung lautet: das Schlimmste ist vorbei.”