Alleinherrscherin C. Fiorina: Cappelas räumt HP-Stuhl

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Steht bei HP zur Disposition, bei Worldcom zur Diskussion

Der Präsident des US-Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP), Michael D. Capellas, verlässt seinen Posten. Er wolle andere Karrieremöglichkeiten wahrnehmen, teilte HP mit.

Die Tatsache, dass HP den Präsidentenposten nicht wieder besetzen wird, werten Insider als Zeichen, dass sich mit Carleton Fiorina als alleiniger Chefin auch die HP-Linie im fusionierten Konzern noch stärker durchgesetzt habe und weiterhin durchsetzen werde.

Capellas war früher Chef von Compaq Computer gewesen. Er hatte Compaq für 19 Milliarden Dollar an Hewlett-Packard verkauft. US-Branchenkreise rechnen damit, dass nach Capellas Weggang noch weitere alte Compaq-Produktlinien eingestellt werden, berichtet das Wall Street Journal.

Der Manager war bisher bei HP für das Tagesgeschäft zuständig. Carly Fiorina lobte Capellas für seine Leistungen bei der Fusion und der Integration von HP und Compaq. Nach Darstellung der HP-Chefin wurden sämtliche Integrationsziele erreicht oder übertroffen.

Capellas wiederum sagte, er rechne mit weiteren HP-Erfolgen. Diesbezüglich verwies er auf die Integrationsfortschritte, die HP-Leistungen im Markt und auf die Stärke des Managementteams.

Die Aktionäre reagierten enttäuscht auf den Rückzug Capellas. Die Aktie verlor am Montag bis kurz vor Handelsschluss in New York mehr als elf Prozent und lag bald auf 14,81 Dollar. Sie war damit der schwächste Wert im Dow Jones. Seit Jahresbeginn hat das Papier, durch die Fusionsstreitigkeiten mit den HP-Erben angeheizt, mehr als ein Viertel seines Wertes eingebüßt. Die Enttäuschung unter den Anlegern sei groß, sagten Händler. Sie versuchten nun, Gewinne einzustreichen und ihre Aktien möglichst schnell zu verkaufen.

Die Zukunft Capellas hingegen scheint geregelt. Der 47-Jährige soll ganz vorn auf der Liste der Worldcom-Chefkandidaten stehen. Bei dem schwer angeschlagenen Telekommunikations-Unternehmen wird der Posten des Geschäftsführers frei, der für diesen nach der Infrastruktur und einst auch nach dem Umsatz gerechnet nahezu weltgrößten Telco den Turnaround bewältigen soll.

Der jetzige Worldcom-Chef John W. Sidgmore will seinen Posten an der Spitze des in den schlimmsten Bilanzfälschungsskandal und das größte US- Konkursverfahren verwickelten Unternehmens abgeben. Worldcom soll aber auch mit Dan Akerson verhandelt haben, dem Chef von XO Communications. US-Medien berichten, dass Gary Forsee, der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzenden der traditionsreichen TK-Firma Bell South, ebenfalls angesprochen worden war.

Worldcom hat mittlerweile Bilanzfälschungen in Höhe von neun Milliarden Dollar zugegeben und steht zur Zeit in einem Konkursverfahren im Rahmen des Kapitel Elf des US-Konkursrechtes, das eine Weiterführung der Geschäfte erlaubt.

Der ehemalige Worldcom-Chef Bernard Ebbers war im April unter dem Druck der Aktionäre und Gläubiger ausgeschieden. Er selbst schuldet dem Unternehmen 415 Millionen Dollar, die er sich größtenteils ausgeliehen hatte. Zwei Monate später hatte Worldcom die Bilanzbetrügereien zugegeben und war dann zum Konkursrichter gegangen. Sidgmore hatte das Unternehmen seither geführt.

Begehrt waren die Einzelteile des Unternehmens trotz der Flaute auf dem TK-Markt und eigenen Finanzproblemen der Konkurrenz: Die meisten US-Telefonunternehmen hätten einzelne Worldcom-Sparten oder die gesamte Gesellschaft gern gekauft, meldet das Wall Street Journal. Namentlich nennt die Zeitung AT&T, SBC Communications und Verizon.

Worldcom wolle aber bis nach Beendigung des Konkursverfahrens, wahrscheinlich im kommenden Sommer, einen Verkauf mit ziemlicher Sicherheit ablehnen. Der Wert der Gesellschaft dürfte in einem Jahr größer sein als jetzt, erklärte Sidgmore der New York Times in einem Interview.

Noch diese Woche sollen Gläubigerkomitee und Aufsichtsrat über die Neubesetzung des ehemaligen Ebbers-Sessels entscheiden.

Silicon meint: Mit dem Weggang von Capellas fällt die letzte Compaq-Bastion. Das ist auch eine Möglichkeit, die “Integration” der beiden doch sehr unterschiedlichen Konzerne voranzutreiben. Fraglich, ob er freiwillig gegangen ist. Sicher wird ihn die, gelinde gesagt, herausfordernde Tätigkeit bei Worldcom vom Fusionsärger ablenken.