Telekom muss Millionenstrafe zahlen

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Dennoch der Traum von der Weltherrschaft

Die Deutsche Telekom muss wegen unzulässiger Wettbewerbsbehinderung im Telefon-Ortsnetz ein Bußgeld von 12,6 Millionen Euro zahlen. Das entschied die EU-Kommission heute in Brüssel. Sie schloss damit ein seit Mai vergangenen Jahres laufendes Kartellverfahren gegen den Bonner Konzern ab.

“Viele neue Marktteilnehmer haben versucht, mit dem ehemaligen Monopolisten in Wettbewerb zu treten”, sagte Wettbewerbskommissar Mario Monti. “Da die Vorleistungsentgelte der Deutschen Telekom für den Ortsnetzzugang über den entsprechenden Endkundentarifen lagen, war bisher kein Wettbewerber in der Lage, einen bedeutenden Marktanteil zu erlangen.”

Bisher sei in Deutschland nur ein sehr geringer Teil der Leitungen auf der so genannten letzten Meile vom Hauptverteiler bis zum Anschluss des Kunden tatsächlich Konkurrenten der Telekom zur Verfügung gestellt worden, hieß es weiter.

Das EU-Kartellrecht erlaubt es der Kommission gegen Unternehmen vorzugehen, die mittels ihrer Marktmacht den Wettbewerb in unzulässiger Weise einschränken. Die EU-Behörde kann dazu Bußgelder bis zu 10 Prozent eines Unternehmens-Jahresumsatzes verhängen. Dieser Rahmen wurde aber bisher bei weitem nicht ausgeschöpft, meldet die dpa.

Die Deutsche Telekom hat außerdem aber viel vor. Der Vorstandsvorsitzende Kai Uwe Ricke sprach auf der Hauptversammlung in Köln davon, dass der Konzern bis zum Jahr 2007 zum weltweit führenden Dienstleister in der TK-Branche aufsteigen will.

Um diese Ziele zu erreichen will der Konzern sich künftig verstärkt auf Kundenansprüche und deren Zufriedenheit konzentrieren. Die finanzielle Handlungsfähigkeit der Konsumenten, so hofft Ricke, soll der DTAG wieder zurück auf die Erfolgsspur verhelfen.

Die Entwicklungsplanung spiele hierbei eine wichtige Rolle – sie wird stärker beachtet werden, hieß es. Das Budget für Innovation, erklärt Ricke, soll effektiver genutzt und in erfolgsversprechende Bereiche wie die Datenkommunikation verlagert werden.

Zu dieser gehöre auch, dass die gesamte Führungsmannschaft regelmäßig einen Tag im Vertrieb arbeiten soll. Dieser Gedanke ist nicht neu, wird aber bislang lediglich bei amerikanischen Unternehmen wie McDonalds durchgeführt. Ricke will Kundenorientierung und Servicequalität zur Chefsache machen.

Weiterhin sollen in den vier T-Sektoren T-Com, T-Mobile, T-Systems und T-Online neue Standards festgelegt werden. “Unser Ziel besteht darin, in den nächsten Jahren werthaltiges Wachstum zu generieren. Den Divisionen kommt dabei eine herausragende Rolle zu”, kommentiert Ricke.

Auch wenn milliardenschwere Zukäufe und der Börsengang Mitte 2000, sowie die Ende 2001 korrigierte Immobilienbewertung auch bei dieser Versammlung wieder im harschen Kreuzfeuer der Kritik standen, wollte Ricke unter den Aktionären so etwas wie eine Aufbruchstimmung erzeugen und erntete, laut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, großen Beifall für seine Pläne.

Am Ende seiner Rede versicherte Ricke “Wenn wir uns im nächsten Jahr wieder sehen, werde ich entsprechende Resultate präsentieren.” Für das Gesamtjahr 2003 erwartet das Unternehmen grundsätzlich, dass sich die positive Entwicklung des ersten Geschäftsquartals weiter fortsetzen wird.