UBS Capital lässt Systor AG fallen

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Halbherzige Rettungsversuche für den IT-Dienstleister

Der Hauptaktionär des deutschen IT-Unternehmens Systor, die Investmentbank UBS Capital, lässt seine Tochter praktisch fallen. Zwar ist der Systor AG für zwei Monate eine provisorische Nachlassstundung gewährt worden, dennoch ist der Rückzug von UBS in letzter Konsequenz das Aus für Systor.

Wie die Neue Züricher Zeitung (NZZ) meldet, wollen Management und Sachverwalter während des zweimonatigen Schuldenmoratoriums versuchen, für das IT-Unternehmen eine Lösung für den Fortbestand zu finden.

Die negativen Meldungen von Systor hatten sich in jüngster Zeit gehäuft. Vor rund drei Wochen musste ein neuerlicher Personalabbau bekannt gegeben werden, eine Woche später stellten die deutschen Tochtergesellschaften einen Insolvenzantrag. Am Montag nun wurde mitgeteilt, dass das Bezirksgericht Zürich den Antrag der Systor AG auf provisorische Nachlassstundung am Freitag gutgeheißen und mit Pricewaterhouse-Coopers einen Nachlassverwalter bestimmt habe. Von dieser Maßnahme sei die Systor Business Services AG, eine profitable Tochtergesellschaft, nicht betroffen.

Die Systor AG weist (ohne die 119 Beschäftigten der Systor Business Services) heute noch 425 interne Mitarbeiter in ungekündigter Stellung auf. 260 davon arbeiten in Basel, 140 in Zürich und 25 in Genf. Daneben beschäftigte die Systor AG Ende Oktober noch gut 100 externe Mitarbeiter, mit seither fallender Tendenz. Die Geschäftsaktivitäten der Systor AG werden gemäss dem Communiqué in der provisorischen Nachlassstundung weitergeführt, und außerdem würden neue Investoren gesucht.

In der Meldung heißt es weiter, dass zuvor die Eigentümerin von Systor, die UBS Capital (bei ihr liegen 39,2% sowie die Management-Verantwortung, bei der UBS AG 58,9%, die restlichen 1,9% beim Management), und ein deutsches Bankenkonsortium sich auf keine Finanzierungslösung für das Unternehmen hätten einigen können.

Gründe für die schwierige Situation der Systor gibt es einige. So hat sich die Branchenkonjunktur – Systor erbringt vor allem IT-Dienstleistungen für den Finanzsektor – drastisch verschlechtert. Die Kosten konnten nicht so schnell reduziert werden, wie die Umsätze fielen. Sowohl die Aktivitäten in Deutschland als auch jene in der Schweiz gerieten in die Verlustzone.

Zentraler Punkt für die Misere war daneben der Kauf der deutschen Schuhmann-Gruppe Ende 1999, Anfang 2000. Der damals nicht bekannt gegebene Kaufpreis dürfte gemäss Angaben aus deutschen Bankenkreisen rund 140 Millionen Euro betragen haben. Davon wurden 55 Prozent durch ein internationales Bankenkonsortium unter Führung der Hypo-Vereinsbank finanziert.

Dieses Konsortium hat heute Schulden von rund 75 Millionen Euro. Etwa 25 Millionen Euro entfallen auf die Hypo-Vereinsbank, je 12,5 Millionen auf PNB Paribas, die IBM-Bank sowie auf die Bayerische und die Sächsische Landesbank. Der Kauf der Schuhmann-Gruppe verdoppelte praktisch den Personalbestand der Systor-Gruppe auf rund 2000 Mitarbeiter. Ziel der Transaktion war, Systor später an die Börse zu bringen.

Da aber die Schuhmann-Gruppe mittlerweile im Insolvenzverfahren steckt, ist auch Systor in Not geraten. Bankenkonsortium und UBS Capital haben sich nicht auf eine Finanzierungslösung einigen können. Bei den deutschen Banken ist man darüber alles andere als glücklich.

Die damalige Teilfinanzierung der Akquisition habe man nicht zuletzt im Hinblick auf die Bonität des Käufers gewährt. Zudem habe damals die UBS ein Auftragsvolumen zugunsten von Systor in Aussicht gestellt, das im laufenden Jahr um rund 20 Millionen Euro verfehlt worden sei. All das verfestige bei den deutschen Banken den Eindruck, die UBS habe Systor fallen gelassen.