Ohrfeige für die UMTS-Träumer

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Schwarze Zahlen erst 2015

Die europäischen Mobilfunk-Netzbetreiber haben sich mit ihren wirtschaftlichen Erwartungen zu den künftigen UMTS-Diensten gründlich verschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forrester-Studie, in der ein Break-Even erst für das Jahr 2015 als realistisch bezeichnet wird.

Die Netzbetreiber waren bisher von einem sehr viel früheren Zeitpunkt ausgegangen, ab dem schwarze Zahlen geschrieben würden. Forrester rechnet dagegen vor, dass 2007 erst jeder zehnte Mobilfunkkunde UMTS-Dienste nutzen werde – also bei weitem nicht die Hälfte des Kundenstamms, wie die Netzbetreiber hoffen.

“Die Mobilfunker träumen” heißt es in der Studie, wenn sie schon ein Jahr nach Einführung einen UMTS-Umsatzanteil von 5 Prozent einplanen und die Breitbanddienste im fünften Jahr bereits 39 Prozent zum Gesamtgeschäft beitragen sollen.

Der Optimismus, den fast 90 Prozent der 26 europäischen 3G-Lizenznehmer äußern, erscheint den Analysten verfehlt, weil beispielsweise die Unternehmen in Großbritannien und Deutschland pro Kunde Lizenzgebühren zwischen 680 und 760 Euro ausgegeben haben. Der erwartete Durchschnittsumsatz pro Kunde (Average Revenue per User, Arpu) müsste sich glatt verdreifachen, wenn die Netzbetreiber ihre eigenen Erwartungen erfüllen wollten.

Etwas besser dürfte es der Studie zufolge nur in Frankreich, Finnland, Italien und der Schweiz aussehen, weil die Lizenzen dort wesentlich günstiger oder sogar kostenlos zu haben waren. Wie groß die technischen Schwierigkeiten sind, etwa der abbruchfreie Übergang von einer UMTS-Verbindung zu einer GSM-vermittelten Verbindung, wird sich Anfang kommenden Jahres herausstellen. Dann werden die meisten der Unternehmen ihre Testnetze in Betrieb genommen haben – wenn es denn beim aktuellen Zeitplan bleibt.

Laut Forrester wird sich der Wettbewerb durch den späteren Markteintritt weiterer Konkurrenten verschärfen. Außerdem rechnen die Marktforscher damit, dass die Kundschaft ihrer bekannten Technik-Zurückhaltung treu bleibt und UMS-Handies lange Zeit nicht stark nachgefragt sein werden. Wegen der umfangreichen technischen Möglichkeiten wie Video-Aufnahme, Java-Anwendungen und Internet-Browsing, auf die kein Gerätehersteller verzichten wird, seien relativ hohe Preise für die Endgeräte zu erwarten – was wiederum einem schnellen Erfolg beim Kunden entgegenstehe.