Telekom-Chef kürzt Personal – immer radikaler

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Schulden abbauen, um jeden Preis

Helmut Sihler greift durch. Der Interimschef der Deutschen Telekom hat angekündigt, den Abbau von insgesamt 46 000 Arbeitsplätzen bis 2005 vorzubereiten. Bisher war bekannt, dass der TK-Konzern über den selben Zeitraum rund 30 000 Jobs streichen wollte. Sihler wird die Führung des Unternehmens spätestens zum Jahreswechsel abgeben. Seinem Nachfolger will er erklärtermaßen den Weg mit einem Schuldenabbau ebnen.

Die Telekom ist derzeit mit 64,2 Milliarden Euro verschuldet. Bis Ende 2003 sollen die Verbindlichkeiten auf 50 Milliarden Euro gedrückt werden, um dem rosa Riesen wieder Handlungsspielraum zu verschaffen.

Im Inland sollen den Angaben aus Bonn zufolge rund 35 000 Arbeitsplätze wegfallen, bei den Auslandstöchtern in Ungarn der Slowakei und Kroatien sollen bis zu 11 000 Beschäftigte entlassen werden. In der Bundesrepublik wird es T-Com am härtesten treffen. Die Festnetzsparte soll mit dem Personalabbau Kosten von jährlich 400 Millionen Euro einsparen. Allerdings besteht für die insgesamt 120 000 Beschäftigten hier ein vereinbarter Kündigungsschutz bis Ende 2004.

Die bisherige Strategie der Personalumschichtung ist damit an ihre Grenzen gestoßen. Das ehemalige Staatsunternehmen hatte Mitarbeiter aus dem stagnierenden Festnetzgeschäft umgeschult und weiter qualifiziert, um sie bei T-Mobile oder T-Online unterzubringen. Aber auch hier werde es zu “keinem großartigen Stellenaufbau mehr kommen”, so Telekom-Sprecher Ulrich Lissek. Bei T-Systems sollten 6000 Stellen geschaffen werden. Davon ist nun angesichts der schlechten Auftragslage keine Rede mehr.

Damit nicht genug: Spekulationen darüber, die Deutsche Telekom müsse innerhalb der kommenden drei Jahre sogar 55 000 Menschen vor die Tür setzen, wird in Bonn als “Worst Case Szenario” bezeichnet. Ausgeschlossen wird ein derartiger Kahlschlag also nicht.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, in der Konzernspitze mit dem stellvertretenden Aufsichtsratschef Rüdiger Schulze vertreten, hat ihren “heftigsten Widerstand” gegen einen “forcierten Arbeitsplatzabbau” angekündigt. Das Kontrollorgan tagt am 30. Oktober. Schon die laufenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über die bisherigen Kürzungspläne gestalten sich äußerst schwierig.

Insgesamt beschäftigt die Deutsche Telekom momentan weltweit 255 000 Mitarbeiter. Im schlimmsten Fall würde die Belegschaft also um 22 Prozent schrumpfen.