Büdelsdorfer entsetzt: France Telecom lässt Mobilcom fallen

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5400 Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit

Heute ist Freitag der Dreizehnte: Für das Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmen Mobilcom ein wirklich schwarzer Tag. Der französische Großaktionär France Télécom hat gestern Abend den Ausstieg aus dem deutschen Unternehmen bekannt gegeben. Genauer gesagt wird jegliche finanzielle Unterstützung nach Deutschland eingestellt. “Es musste sein” hieß es in Paris. Die France Télécom steht mit rund 69,7 Milliarden Euro selbst vor einem riesigen Schuldenberg.

Für Mobilcom bedeutet diese Entscheidung ein wirtschaftliches Erdbeben. Auf einen Schlag stehen 5400 Arbeitsplätze in Büdelsdorf auf der Kippe, sollte sich nicht kurzfristig noch ein neuer Investor finden. “Die Leute sind geschockt”, sagt Büdelsdorfs Bürgermeister Jürgen Hein zur Stimmung im Ort und in der Belegschaft. Nachdem der Geldhahn zugedreht wurde, sieht Unternehmenschef Thorsten Grenz die Insolvenz für das Unternehmen schon in den nächsten Tagen auf sich zukommen. Gegenwärtig sei nicht einmal klar, ob Mobilcom ein Unternehmen mit 7 Milliarden Euro Schulden oder ein schuldenfreies Unternehmen sei, sagte ein Sprecher.

Indessen läuft die Suche nach einem Investor auf Hochtouren. Aus dem Ausland gibt es jedoch schon eine Absage: Der Schweizer Telekomkonzern Swisscom hat nach den Worten seines Spitzenmanagers Jens Alder kein Interesse an Mobilcom. Deren Schulden seien selbst für die vermögende Swisscom zu erheblich, sagte er gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Firmenboss Grenz hofft nun auf die Unterstützung der schleswig-holsteinischen Regierung. Wie es heißt, finden heute mit dem schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Bernd Rohwer intensive Gespräche über die weitere Zukunft des Unternehmens statt. Alle Fakten sollten nun geprüft werden. Finanzhilfen des Landes schließe er nicht aus, sagte Rohwer laut dpa. “Aber hier gelten die Spielregeln, die auch für andere Unternehmen gelten”, relativiert der Politiker. Nun seien die Banken gefordert. Das Land habe die Pleite nicht verschuldet, von daher könne das Land auch nicht die Hauptlast tragen. Nach der Entscheidung von France Télécom, Mobilcom nicht weiter finanziell zu unterstützen, müsse ein konstruktiver Fortsetzungsprozess erarbeitet werden. Wie jetzt bekannt wurde, will sich sogar Bundeskanzler Schröder mit juristischem Beistand für den Fortbestand der insolvenz-gefährdeten Firma einsetzen.

Der Mobilcom-Vorstand hatte noch gestern Nachmittag angekündigt, France Télécom im Falle eines Endes der Partnerschaft zu verklagen. Die Büdelsdorfer pochen auf einen gemeinsamen Vertrag, Der TK-Riese hatte sich angeblich zur finanziellen Unterstützung verpflichtet. Die Franzosen verstießen mit der Aufkündigung der Geschäftsbeziehung eindeutig gegen die vertraglichen Bestimmungen des mit der Mobilcom vereinbarten Corporation Framework Agreements, gab Pressesprecher Matthias Quaritsch in einer Pressemitteilung die Auffassung der düpierten Büdelsdorfer bekannt.

Mit scharfen Worten kommentierte der Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid den Rückzug von France Télécom aus dem Unternehmen. Die Aktion bezeichnete Schmid in einer ersten Stellungnahme als “schlechteste aller denkbaren Lösungen für die AG, deren Mitarbeiter und Aktionäre”. Ausschließlich von den eigenen Interessen getrieben, habe sich France Télécom, aus der Verantwortung gestohlen, urteilte Schmid. Doch auch auf ihn scheinen die Politiker mittlerweile nicht gut zu sprechen. So gab es heute eine Rüge von der schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis, meldet dpa. Die Politikerin kritisierte die öffentlich ausgetragenen Streitereien zwischen Schmid und France Télécom. Es sei ärgerlich, dass ein Stück bundesrepublikanischer Industriegeschichte durch die öffentliche Auseinandersetzung nahezu mutwillig kaputtgemacht worden sei, sagte Simonis in Büdelsdorf. Dort wollte sie ein Gespräch mit Mobilcom- Vorstand Thorsten Grenz führen.

silicon meint: Das Damoklesschwert eines Ausstiegs schwebt nicht seit gestern über Mobilcom. Schon seit einem halben Jahr steht es schlecht für das Unternehmen. Und der einst in den Medien als begnadete Selbstdarsteller gefeierte Gründer Gerhard Schmid wurde nicht müde, in der Attitüde des großen Feldherrn seine französischen Partner mit allerlei Mätzchen zu provozieren. Im Grunde ist es erstaunlich, wie lange die Franzosen dem Gernegroß von der Waterkant die Stange gehalten haben. Tragisch nur, dass wegen Schmids Profilsucht jetzt Tausende vor den Trümmern ihrer Existenz stehen.