Tiscali auf der Abschussliste

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Wer kauft die strauchelnden Italiener? Wanadoo oder T-Online?

Der italienische Internet-Serviceprovider Tiscali hat offenbar immer größere Probleme. Nachdem im ersten Quartal noch ein bescheidener Gewinn abgefallen ist, verzeichnet das Unternehmen von Firmengründer Renato Soru für Q2 wieder ein Minus von 9,5 Millionen Euro. Schon wird darüber spekuliert, ob die France-Télécom-Tochter Wanadoo oder auch T-Online das Unternehmen schlucken könnten.

Tiscali versucht momentan, den schlechten Eindruck der Ertragsentwicklung mit einem gesteigerten Halbjahresumsatz im Vergleich zur ersten Hälfte 2001 auszubügeln. Allerdings musste Soru gerade erst einräumen, dass sich die Zahl der Kunden in der Tiscali-Kartei plötzlich drastisch verringert hat: Zahlreiche Doubletten mussten nach Firmenzukäufen erst noch bereinigt werden. Außerdem ist die Zahl der aktiven Kunden von 7,4 Millionen auf nur noch 7 Millionen zurückgegangen.

Tiscali war vor allem durch seine aggressive Kaufstrategie aufgefallen. Analysten kritisieren aber immer wieder, dass die Italiener es in keinem ihrer Märkte geschafft haben, direkte Rechnungsbeziehungen mit einer großen Zahl von Kunden aufzubauen. Der Großteil von ihnen nutzt Dienstleistungen nur nach Bedarf, ein konstanter Umsatzstrom ist so nicht garantiert – ganz anders als bei T-Online, Wanadoo, AOL oder Terra Lycos.

Die beiden ersten sind deshalb im Gespräch für eine mögliche Übernahme Tiscalis. T-Online-Chef Thomas Holtrop dementierte zwar, es gebe “keine Gespräche” mit dem italienischen Provider. Allerdings gilt bei der Telekom-Tochter die Parole “bei Schieflage auf dem ausgedünnten Serviceprovider-Markt: weitere europäische Expansion”. Das nötige Kleingeld ist im Hause Holtrop offenbar vorhanden.