Musik-Bosse bleiben dabei: Napster & Co. ruinieren uns

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Studie gegen Studie – und keine Lösung in Sicht

Obwohl eine Forrester-Studie in der vergangenen Woche zu einem ganz anderen Ergebnis kam, macht die amerikanische Musikindustrie erneut Internet-Tauschbörsen für ihren drastischen Umsatzrückgang verantwortlich. Im ersten Halbjahr wurden nach Angaben der Recording Industry Association of America (RIAA) 7 Prozent weniger CDs verkauft als im Vorjahreszeitraum. Über das gesamte Jahr 2001 war bereits ein Minus von 5,3 Prozent zu verzeichnen.

Ursache dafür seien allerdings nicht Napster, Morpheus, Kazaa und Konsorten, sondern die starren Strukturen der Musikverlage – zu diesem Urteil waren die Marktforscher von Forrester Research gerade erst gekommen. Die gesamte Industrie habe es nicht verstanden, tragfähige Konzepte für einen Online-Vertrieb zu entwickeln. Neben dem juristischen Kampf gegen die Musiktauschbörsen setzen die Musikverlage auf eigene, gebührenpflichtige Angebote. Bisher offenbar ohne Erfolg.

Deshalb versucht die RIAA nun, politische Unterstützung für weiter reichende Sanktionsmöglichkeiten gegen raubkopierte MP3-Dateien zu bekommen. Eine eigens in Auftrag gegebene Studie will untermauern, dass die Mehrheit der Online-Nutzer inzwischen weniger CDs im Laden kaufen als bisher. Nur 13 Prozent gaben an, die Tauschbörsen hätten ihr Konsumverhalten so geändert, dass sie inzwischen mehr Geld für CDs ausgeben.

Forrester hatte diesen Effekt weit wichtiger bewertet. Demnach wäre der Umsatz noch stärker eingebrochen, wenn nicht die illegalen Tauschbörsen neue, zahlende Käuferschichten erschlossen hätten, so die Argumentation. Die Marktforscher Ipsos Reid und Jupiter Communication hatten zuvor mit Umfragen belegt, dass Nutzer von Tauschbörsen genauso viel oder sogar mehr Geld für den Kauf von CDs ausgeben würden.

Zum Problem für die Musikbosse entwickeln sich aber auch die völlig legalen Angebote im Netz. So konnte das Unternehmen Weblisten (zu deutsch ‘Netzhören’) zumindest in Spanien eine Lizenzvereinbarung mit den dortigen Verwertungsgesellschaften abschließen, die den Onlinevertrieb sogar an Kunden außerhalb der Landesgrenzen erlaubt. In der Bundesrepublik wäre die Gema der entsprechende Ansprechpartner. Die Web-Angebote der Musikkonzerne oder -konsortien aber bleiben mehr oder weniger verwaist. Und nach dem Führungswechsel bei Bertelsmann fehlt der Industrie noch dazu der Leitwolf Thomas Middelhoff als Schrittmacher und Voreiter im elektronischen Medienvertrieb.