Ciscos Kaufrausch schreckt die Storage-Branche auf

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Die Großen betreiben autogenes Training, der Markt riecht Lunte

Cisco hat für ein Raunen in der Speicherwelt gesorgt. Mit großem Interesse nahmen Kunden und Konkurrenten die Nachrichten über den Kauf des Switching-Spezialisten Andiamo auf – geht es doch um die Einführung einer neuen Produktfamilie von Fibre-Channel-Switches (FC-Switches) für Storage Area Networks (SAN).

Während die neuen Switches bei anderen SAN-Anbietern gewollt locker kommentiert und sogar mit guten Ratschlägen begrüßt wurden, hält sich die Begeisterung über den 2,5 Millionen Dollar schweren Zukauf des Switch-Zwergs sehr in Grenzen. Einige Branchenkenner sprechen gar offen von einem “Schein-Kauf”, der lediglich einige Manager ruhig stellen solle.

So soll die Tatsache, dass Cisco eine eigene Abteilung für den Bau und die Vermarktung der Andiamo-Produkte gegründet habe, bei der die Andiamo-Manager auf ihrem Posten bleiben und der Cisco-Leitung nicht das Wasser abgraben können, die teuren FC-Techniker bei der Stange und die eigene Entwicklungsabteilung gleichzeitig ruhig halten. In die selbe Richtung gehe die Verteilung von Aktienpaketen innerhalb des Cisco-Konzerns und im Management von Andiamo.

Gut informierte US-Fachleute vermuten, dass genau deshalb bis zu 56 Prozent der Andiamo-Anteile an Angestellte beider Unternehmen verteilt wurden. Der Netzwerkkonzern bestreitet das.

An der Richtigkeit der Übernahme an sich besteht hingegen bei einem Blick auf den Markt kein Zweifel. Denn obwohl Cisco bislang laut eigenen Angaben der einzige Investor bei Andiamo war und das Start-Up mit bis zu 84 Millionen Dollar vorfinanzieren wollte, ist die Komplettübernahme und Integration ein logischer Schritt.

Ähnlich wie andere Unternehmen sieht schließlich auch Cisco, dass sich der Speichermarkt trotz der IT-Finanzkrise in den vergangenen beiden Jahren nicht nur stabil, sondern rapide nach oben entwickelt hat. Zweistellige Wachstumsraten waren gerade im Krisenquartal 4/2001 in einzelnen Bereichen wie SAN oder NAS, aber auch bei den Speichermedien keine Seltenheit.

Für den Netzwerkgiganten kommt der Start ins brummende FC-Switching-Geschäft aber nach Meinung der neuen Konkurrenz etwas zu spät. So zeigte sich Stephen Beer, Produktmanager bei SAN-König Brocade gegenüber US-Medien satt und unbeeindruckt: “Ich sehe das neue Engagement von Cisco als ein Zugeständnis, dass im FC die Zukunft liegt.”

Allerdings warnt er den neuen Mitspieler davor, dass die neue Produktreihe und vor allem das damit verbundene direkte Vertriebsmodell sich langfristig als Fehler erweisen könnte. Vor allem die Hardware-Verkäufer und die gerade im SAN-Umfeld meist zwischen Hersteller und Kunde zwischengeschalteten Systemintegratoren sieht Beer nun gefährdet.

An eine von Cisco proklamierte enge Zusammenarbeit der direkten Vertriebstruppe mit den Systemintegratoren und Zwischenhändler glaubt er nicht: “Wollen die wirklich die Kunden von den Systemintegratoren abkoppeln? Ich denke, Cisco hat es nur auf die Geldbeutel anderer Leute abgesehen und will die Zwischenunternehmen auf die Strasse setzen.”

silicon meint: Eigentlich kann es Brocade und McData ja egal sein, ob Cisco mit seinem neuen Spielzeug baden geht – im Gegenteil! Je unzufriedener die Cisco-Partner, desto größer wird mittelfristig wieder der Kuchen, den sich die zwei Großen teilen können. Für den Fall, dass Cisco sein Storage-Engagement aber tatsächlich ernst meint, genügt es nicht, Know-how zu kaufen und das Management zu tätscheln – eine gründliche Revision der OEM-Landschaft wäre ein guter Anfang. Bleibt nur zu hoffen, dass Cisco nicht solange isst und isst, bis der ganze Konzern mit einem lauten Knall zerplatzt!