Bei Siemens ICN steht katastrophaler Aderlass ins Haus

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Jede dritte Stelle in der Zentrale gestrichen?

Der Netzwerksparte von Siemens, dem Bereich Information and Communication Networks, steht ein hartes Stellenstreichprogramm ins Haus. Nach Befürchtungen des Betriebsrats fällt in der Münchner Zentrale fast jede dritte Stelle weg.

Die Unternehmensleitung mochte sich zu einem entsprechenden Bericht in der Tagespresse nicht äußern. “Da wird viel spekuliert”, äußerte ein Sprecher ausweichend. “Es handelt sich um ganz vage Überlegungen für das nächste Geschäftsjahr.”

Der Betriebsrat, den die Geschäftsleitung bei derartigen Vorhaben rechtzeitig an den Planungen beteiligen muss, schlägt dagegen Alarm. Der stellvertretende Vorsitzende Leonhard Meier: “Geplant ist die Streichung von 2300 Stellen bei ICN und weiteren 300 bei IC Mobile”. Die Entlassungen sollen noch vor dem 30. September erfolgen.

Siemens ICN ist nicht der einzige Telekom-Ausrüster, den die aktuelle Investitionszurückhaltung der Telcos schwer trifft. Andere Firmen wie Nortel haben der miesen Wirtschaftslage bereits einen hohen Zoll entrichtet. So auch Siemens: Die Stellenkürzungen sind Teil eines Gesamtkonzepts, das den Abbau von insgesamt 16 500 Jobs vorsieht.

Aber bislang waren die Mitarbeiter in der ICN-Zentrale davon ausgegangen, dass der Kelch an ihnen vorbei gehen würde. Jetzt ist der Schock groß. “Das ist mehr als wir uns vorgestellt haben”, sagt Meier.

Gegenwärtig prüft die Geschäftsführung, ob die betroffenen Mitarbeiter in eine Beschäftigungsgesellschaft überführt werden sollen. Viel gewonnen ist damit nicht. Betriebsrat Meier weiß warum: “Die Mitarbeiter, die dorthin wechseln, verlieren ihre bei Siemens erworbenen Rechte. Und zu arbeiten gibt es da nichts, denn sie werden auf Kurzarbeit null gesetzt und erhalten vom Arbeitsamt für zwölf Monate Kurzarbeitergeld. Dann wird die Gesellschaft aufgelöst, und wer in der Zwischenzeit keinen Job gefunden hat, ist dann arbeitslos”.

Besonders erbost den Arbeitnehmervertreter, dass ein Sozialplan abgelehnt wird. “Dann braucht sich die Geschäftsführung nicht um soziale Kriterien zu scheren; sie wollen sich selbst aussuchen, wen sie hinaushaben wollen.”

Der Betriebsrat hat eine Alternative zu dem Massenrauswurf: “Eine Vier-Tage-Woche würde einen sofortigen Kostensenkungseffekt bewirken. Und viele qualifizierte Kräfte gingen dem Unternehmen nicht verloren.”

Jetzt ist die Geschäftsleitung am Zug. Eine Entscheidung ist in den nächsten Wochen zu erwarten.

Silicon meint: In der Krise muss ein Unternehmen sparen, das ist klar. Aber ist hektischer Personalabbau wirklich der Weisheit letzter Schluss? Sobald die Konjunktur wieder anspringt, geben die Unternehmen wieder atemberaubende Summen aus, um ebenso hektisch wieder geschultes Personal zu akquirieren. Ein Management, das nicht über die kurzfristige Perspektive hinaus plant, muss sich gefallen lassen, dass seine Daseinsberechtigung in Frage gestellt wird.