Content-Produktion: AOL kehrt zurück zu den Wurzeln

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Der Medienkonzern AOL will “zurück in die Zukunft”: Zunächst soll ein neuer, 9 Milliarden Dollar schwerer Kaufvertrag mit AT & T dem Medienunternehmen die volle Kontrolle zurückgeben über die ehemaligen Abteilungen HBO, das Filmproduktionsunternehmen Warner Brothers und kleinere Mediengliederungen, die zunächst AT & T zufallen sollten.

Dieser neue Vertrag bringt AT & T auf der anderen Seite bares Geld, um die eigenen Schulden zu reduzieren. Als notwendigen Schritt nach den “Experimenten der Dotcom-Ära” bezeichneten US-Branchenkenner denn auch das Vorhaben.

Außerdem will AT & T künftig die Leitungen für den Hochgeschwindigkeits-Internetzugang von AOL online stellen. Ein waghalsiges Abenteuer, sagen die Analysten. Beim Monatspreis für das landesweite Angebot soll AOL 10 Dollar mehr verlangen als die Konkurrenz – und das kostet über kurz oder lang Kunden.

Dennoch zeigt sich David Joyce, Analyst bei dem Investmenthaus Guzman & Co. gegenüber Reuters optimistisch: “AOL hat immer noch einiges auszumerzen – die Verhandlungen mit der Börsenaufsicht SEC und dem Justizministerium über Unklarheiten in der Bilanz einerseits, aber auch die schwindende Kundenbasis im Internetbereich. Aber mit diesem Vertrag ist eine Last von ihren Schultern genommen, unter der sie lange gestöhnt hatten.”

Doch nicht genug damit, dass AOL sich wieder auf die fast verstoßenen Töchter konzentriert und Fingerübungen im Bereich Highspeed-Internet macht. Alte Fähigkeiten des Unternehmens sollen auch wieder raus aus der Mottenkiste und zu neuem Glanz kommen: Der Konzern denkt nämlich wieder daran, seine Kunden künftig mit eigenem, selbst produziertem Content zu binden.

So hat das Management in dieser Woche eine völlig unerwartete strategische Entscheidung getroffen. Vom textbasierten Chat mit Prominenten bis hin zu gestreamten Trailer-Videos über Urlaubsländer oder Kinofilme will der Gigant nun wieder alles aus einer Hand direkt an den Mann bringen.

Vor etwa fünf Jahren erst hatten die Unternehmensleiter den Bereich für die Produktion von Inhalten eingeschläfert. Zu verlockend waren die Einnahmen aus dem damals noch boomenden Werbegeschäft. AOL besinnt sich auf der Suche nach neuen Geldquellen offenbar wieder auf die eigenen, vergessenen Qualitäten.