Warnung vor IPv6-Hysterie

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“Adressraum reicht noch 20 Jahre”

“Berichte über eine dramatische Knappheit von IP-Adressen in Asien oder anderen Regionen sind eine Falschinformation und gehören ins Reich der Fabeln.” Mit dieser Aussage will Paul Wilson, Chef der Internet-Verwaltung Apnic (Asia Pacific Network Information Center) der Befürchtung entgegentreten, die Region und ihre Unternehmen könnten einen dringend anstehenden Umstieg auf IPv6 versäumen.

Im Gegenteil, so Wilson, seien derzeit noch rund 100 IP-Adressblöcke mit jeweils 16 Millionen Adressen zu vergeben. Gemessen an der derzeitigen Auslastung sei dieser Vorrat ausreichend, um auch noch im Jahr 2023 neue IP-Adressen innerhalb von IPv4 zu vergeben. Sollte die dritte Mobilfunkgeneration tatsächlich zu einem schnellen Durchbruch kommen und die Mobilfunkgeräte ebenfalls eigene IP-Adressen benötigen, dann würde sich die zwingende Erweiterung auf IPv6 höchstens um wenige Jahre nach vorne verschieben, so Wilson.

Außerdem könne von einer Benachteiligung des asiatisch-pazifischen Raums keine Rede sein, so der Apnic-Chef weiter. “Wenn wir keine Adressen mehr vergeben könnten, dann könnte es auch kein anderes Network Information Center tun.”

Und schließlich sei es gefährlich, mit entsprechenden Berichten die Kunden dazu anzuhalten, in neue Netzwerkausrüstung zu investieren. Das werde sehr bald zu einem massiven Vertrauensverlust führen, weil keine Knappheit entstehen werde.

Nichtsdestotrotz sieht eine japanische Regierungsvorlage vor, die gesamte öffentliche Verwaltung des Landes bis 2005 auf IPv6 aufzurüsten – auch um damit die heimische Wirtschaft zu beleben. Das US-Verteidigungsministerium lässt sich immerhin Zeit bis ins Jahr 2008 für eine umfassende Umstellung. Equipment, das ab kommenden November für Pentagon und Militär angeschafft wird, muss allerdings schon IPv6-kompatibel sein. Immerhin bietet das neue Protokoll auch End-to-End-Security und Quality-of-Service. Für manche Kunden ist das schon Anreiz genug.