MPLS in aller Munde: Alcatel absolviert Härtetest

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Nur einer schickte “Schiffe durch die Nacht”

Bei einem vor kurzem durchgeführten Realbetriebstest über Agilent-Routertechnik sollte ursprünglich eine marktumspannende Orientierungshilfe für MPLS-Kunden herauskommen. Die neue Technik nämlich schickt sich an, ATM-Netze vollständig abzulösen. Da stellen viele Kunden die Frage, welche Switching-Technik sie kaufen sollen – die Nachfrage nach solchen Testergebnissen steigt überall dort rapide, wie sich überall zeigt, wo mehr als zwei Netzwerker zusammensitzen.

Auftraggeber der Tests war das US-Fachmedium Light Reading. Für die Durchführung zeichnet das europäische Testlabor European Advanced Networking Test Center (EANTC) verantwortlich.

Tatsächlich teilgenommen hat allerdings nur Alcatel – und auch hervorragend abgeschnitten, wenn man den Testern glauben darf. Sie betonen, dass sie über die ebenfalls geladenen Anbieter AFC, Hitachi, Huawei, Lucent, Marconi, NEC, NET, Nortel, Unisphere und Vivace – um nur einige zu nennen – deshalb nichts sagen können. Allerdings lobte einer der namentlich nicht genannten auswertenden Techniker die “zumindest beim Testaufbau gezeigte Kommunikationsbereitschaft” von Marconi.

Marconi allerdings, so vergisst er nicht lakonisch zu betonen, sei “traditionell eher auf ATM eingestellt” und habe sich daher wohl vor einem vergleichenden Test mit MPLS-Einsatz gefürchtet. Und das sei auch tatsächlich nötig in einer Marktsituation, in der immer mehr Dienstleister und Betreiber feststellten, dass ihre ATM-Switches die IP-basierten Datenströme nicht schnell und sauber genug verarbeiten und weiterleiten können.

Der Rollout von DSL-Technik nämlich zwinge immer mehr Anbieter dazu, ihre Verkehrstechnik von ATM auf MPLS umzustellen, also die Technik, die über das Internet Protocol (IP) läuft. MPLS sorgt hierbei dafür, die Kundendaten in Carrier-Netzen so zu komprimieren, dass ein reibungsloser Kommunikationsverkehr stattfinden kann.

So habe der Alcatel-Switch 7670 RSP sowohl beim ATM-Test, als auch beim MPLS-Einsatz durchweg gut abgeschnitten. Für ATM habe er 38 von 40 möglichen Punkten erreicht. In der so genannten Public Performance Evaluation, einem Testverfahren, in dem der Live-Betrieb simuliert wird, brachte der Switch bei einem Zweiminuten-Bandbreitetest und einem Durchsatz von 99,8 Prozent alle Daten ohne Verzögerung ans Ziel. Auch bei Priorisierung und Queuing habe der Switch gut abgeschnitten, hieß es bei Light Reading. Die Stärken des Geräts hätten zwar hier ebenfalls im ATM-Bereich gelegen, aber die Gesamtperformance sei gut.

Besonders freuten sich die Tester über die für die ATM-MPLS-Migration wichtigste Versuchsreihe, bei der Knoten mit ATM- und solche mit MPLS-Datenströmen gleichzeitig genutzt werden. Der Ausdruck dafür heißt “Ships in the Night” (Schiffe in der Nacht) – und das belegt eindeutig, dass Netzwerker entgegen anderslautender Gerüchte nicht nur Technik im Kopf haben. Hier wurde der ‘Härtetest’ gewagt, bei dem die Menge der ATM-Transfers und die der MPLS-Transfers kontinuierlich variiert. Dennoch erreichte der Alcatel-Switch in der aufgestellten Testumgebung im EANTC die volle Punktzahl.

Warum dieser einigermaßen unabhängige Test trotz derart geringer Beteiligung genau zur richtigen Zeit durchgeführt wurde, erläutert gegenüber silicon.de Uwe Wagner, Consulting Engineer EMEA bei Juniper Networks: “Die Thematik MPLS in IP-Netzwerken, unter der besonderen Betrachtung von Sicherheits-Aspekten, ist ein relativ allumfassendes Thema. Allumfassend insbesondere, da nicht nur die Frage der Implementierung zu betrachten ist, sondern ganz speziell der operative Betrieb.”

Die am Markt verfügbaren Implementierungen von IP-Transport-Services und der damit einhergehenden MPLS-Services seien relativ weit gestreut, sowohl hinsichtlich der Quantität, als auch der Qualität.

Diese beginnen seiner Ansicht nach bei Enterprise-Technologie-Ansätzen, welche im Enterprise-Anwendungsbereich durchaus hinreichend funktionierten und die vom Anwender geforderten Funktionalitäten erfüllten. Sie reichten aber bis hin zur Realisierung von Services für Carrier-/Provider-Netzwerk Infrastrukturen.

“Und insbesondere in diesem Bereich gibt es nur sehr wenige Anbieter, die Lösungen zur Verfügung stellen, welche auch einem Carrier oder Provider die Möglichkeiten bietet, eine vereinfachte und kostengünstigere IP-Infrastruktur einzusetzen”, so Wagner. Dies natürlich, so setzte er hinzu, alles unter Beibehaltung der geforderten Sicherheitskriterien.

Eine Implementierung von MPLS-Services auf Basis von IP setze ebenfalls voraus, dass gegebenenfalls bestehende Prozesse aus dem alten ATM-Umfeld bezüglich Implementierungsvorgaben und operativen Betrieb angepasst würden.

“Komplexitäten, die eine ATM-Infrastruktur mit Traffic-Engineering und VPN-Implementierung mit sich bringt, werden nicht durch den Einsatz von IP und MPLS beseitigt. Genauso wie im ATM-Umfeld sind Verkehrsmusteranalyse und entsprechende Planung grundlegende Voraussetzung für ein funktionierendes Netzwerk”, räumt er mit falschen Vorstellungen auf.

Die oftmals diskutierten Sicherheitsprobleme beruhen seiner Ansicht nach im Wesentlichen auf Problemen des Handlings, insbesondere den Konfigurationsdaten der Vermittlungssysteme. “Fehl- oder Misskonfiguration sind dabei eine Problematik sowohl in ATM- als auch in IP-Infrastrukturen”, so der Manager.

Einen Seitenhieb auf die Konkurrenz kann er sich natürlich dabei nicht verkneifen: “Trotzdem versuchen Hersteller von älteren Transportsystem-Technologien, namentlich ATM-Infrastruktur-Hersteller, natürlich, die neuere IP/MPLS-Infrastrukturansätze mit dem gleichen Makel zu belegen, dem die bestehenden Systeme unterliegen – sei es mangels Expertise oder Produktportfolio.

“Dabei wird aber vergessen, dass die neueren IP-Infrastrukturen mit MPLS-Services eine wesentlich kostengünstigere und einfacher zu betreibende Plattform für die Carrier- und Providerkunden bieten.”

So führt er denn die oftmals zitierten Sicherheitslücken in IP/MPLS-Transportinfrastrukturen “zu 99 Prozent” auf Probleme beim Handling zurück, die seiner Ansicht nach “durch entsprechende Prozeduren oder Vorgehensweisen im operativen Betrieb leicht zu beheben sind”.