Telekoms Ricke warnt vor blinder Sparwut

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Heiliger Schwur auf T-Systems

Einen Tag nach dem langersehnten Verkauf der TV-Kabelnetze hat Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke seinen eisernen Sparkurs bekräftigt. Auf einer internationalen Presseveranstaltung in Berlin betonte Ricke allerdings, jetzt gebe es im Telekom-Konzern kein Tafelsilber mehr, das verscherbelt werden könne.

Damit tritt der Nachfolger von Ron Sommer Gerüchten entgegen, wonach sich die Telekom von ihrer Systemhaussparte T-Systems ebenso trennen könnte wie vom US-Mobilfunker T-Mobile USA. Bei T-Systems komme nur eine Minderheitsbeteiligung etwaiger Interessenten in Frage, die Telekom sei aber durchaus auf der Suche nach Partnern. Und T-Mobile USA werde so weiterlaufen, “als ob es für die Ewigkeit betrieben”, meinte Ricke. Und trotzdem: So lange es aus Sicht der Aktionäre Sinn mache, “sind wir für alle Optionen offen”.

Anleger und Analysten hatten sich enttäuscht darüber geäußert, dass der Verkauf der Kabelsparte – von den Kartellbehörden verordnet – nur rund 1,7 Milliarden Euro einbringen wird. Ursprünglich war das dreifache dieser Summe in Aussicht, um den Schuldenberg der Telekom ein Stück weit abzubauen.

Allein im laufenden Jahr wolle er 12 Milliarden Euro einsparen, so Ricke weiter. Allerdings müßten die Entlassungen von mehreren zehntausend Beschäftigten dazu nur die Hälfte beitragen. Weiterhin sollen Beteiligungen und Aktivitäten außerhalb der Kerngeschäfte verkauft werden, um ebenfalls 6 Miliarden Euro in die Kasse zu spülen.

“Das Programm heißt: Entschuldung und Wachstum”, so Ricke. Bis Jahresende würden deshalb zwischen 6,7 und 7,7 Milliarden Euro investiert – vor allem in den Aufbau der UMTS-Infrastruktur. Bereits zur Jahresmitte sollen rund 200 Städte republikweit mit den kleineren Funkzellen versorgt sein, womit der T-Konzern vermutlich die Auflagen der Lizenzbestimmungen erfüllen könnte. Bis Jahresende muss ein Viertel der Bevölkerung mit dem Netz der dritten Mobilfunkgeneration erreichbar sein.

Allerdings warnte Ricke auch vor allzu großer Sparwut: “Die Notwendigkeit zum Sparen darf nicht dazu führen, dass wir uns totschrumpfen und uns künftiger Perspektiven berauben.”