Breitbandiges Pflaster soll TK-Markt heilen

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“Zum Erfolg verdammt”

Die Breitbandtechnologie soll sowohl den UMTS-Markt, als auch den kabelgebundenen Telefonie-Bereich und das Internet anschieben – und zwar gleichzeitig. Der Appetit der Kunden nach breitbandigen Diensten und Anwendungen wird wachsen. Und dieses Bedürfnis zieht die gesamte IT/TK-Branche aus dem Sumpf, in dem sie wegen dünner Auftragsbücher derzeit steckt. Das ist das übereinstimmende Credo, das die Agenda Setter auf einer zweitägigen Pressekonferenz der Deutschen Telekom in Berlin sangen – geradezu im Chor.

Für Jorma Ollila, CEO beim Mobilfunkkönig Nokia, ist die Sache ganz einfach: “Alle Analysten sind sich einig. Der Mobilfunkmarkt hat wieder begonnen zu wachsen, und zwar wegen der Gewohnheiten der Menschen.” So habe sich beispielsweise der MMS-Dienst, der weltweit von inzwischen rund 100 Betreibern gestartet wurde, zu einer “Kerntechnik entwickelt, die nicht mehr als Standalone-Dienst, sondern als reine Plattform für breitbandige Dienste erfolgreich sein wird.”

Dabei rechnet er wiederum mit dem Gewöhnungseffekt: “Multimediale und Bandbreiten-anspruchsvolle Dienste werden vom ‘Nice to have’ zur täglichen, routinierten Anwendung für alles, zur täglichen Gewohnheit also.” Einfache Nutzung sei dabei aber das A und O und verbiete es den Anbietern künftig, die derzeit herrschende Standard- und Netze-Fragmentierung weiter aufrecht zu erhalten.

Bei der Akzeptanz und Kundenzahl setzt er zunächst noch auf die von ihm ausgemachten Mobilfunk-Wachstumsmärkte Russland, China, Brasilien und Indien. Und dort werde es “keine Einsteiger-Phase mit einfachen Diensten” geben, sondern die “in den Industrienationen etablierten breitbandigen Dienste, die es bald an jeder Ecke zu finden gibt”.

Er spricht von Unterhaltungs- und Kommunikationsanwendungen. Und diese sollen auf “allen nur denkbaren” Endgeräten zuhause sein, geht es nach Ollila.

Für Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer liegt der Hund anderswo begraben. Er verurteilte in Berlin zunächst, ähnlich wie Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, die Skepsis und Niedergeschlagenheit hierzulande – ganz nach dem Motto: “Wenn wir nur feste genug wollen, dass die Wirtschaft brummt, dann brummt sie auch.”

Bei breitbandigen Diensten hofft von Pierer darauf, dass die “Akzeptanz nur eine Frage des Preises” sei. Wie diese allerdings so gestaffelt werden sollen, dass die Kunden sie bezahlen und die Hersteller damit genug Gewinne einfahren können, sagte er aber nicht konkret. Die Dienste selbst wünscht er sich “nützlich, einfach und unterhaltsam” – und stößt damit ins selbe Horn wie alle Redner der Konferenz.

Auf Partnerschaften wie Ollila setzt auch von Pierer: “Wir alle gemeinsam sind bei UMTS und anderen breitbandigen Angeboten geradezu zum Erfolg verdammt. Wir müssen die Kompetenzen bündeln und die Lasten teilen.”

Daher müsse die Industrie weniger proprietäre, sondern eher nationale Standards herstellerübergreifend anstreben, meint er. So könne auch die internationale Konkurrenz besser in Schach gehalten werden. Denn, so führt er an: “Deutschland spielt bei ITK-Themen meist unter den Top Ten. Was wir wollen, sind aber die Medaillenränge.”

Frank Dunn, CEO von Nortel Networks, liefert Technik für UMTS nach Deutschland. Er stößt ins selbe Horn wie Ollila, wenn es um breitbandige Dienste geht. Als Chef eines Netzwerkausrüsters vergisst er nicht zu betonen, das die breitbandige Glasfasertechnik aber für Internet- und Netzwerkinhalte das selbe Potential beinhalte wie UMTS-Technik für mobile Dienste.

Hier sei auch “nach den erheblichen Anstrengungen der letzten beiden Jahre” mit schnellerem Zieleinlauf für die Hersteller zu rechnen. “Wenn man bedenkt, was wir noch vor zwei Jahren für Glasfasernetze ausgeben mussten und wie viel jetzt, dann kommt man oft auf ein Sechstel des vorherigen Preises”, so Dunn. Er beschwört: “Die gesunkenen Ausbaukosten nützen allen TK-Unternehmen von den Technikausrüstern bis hin zu den Dienstbetreibern.”