Mobilcom-Krise: Schmid hält alle hin

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Aktien-Mauscheleien dementiert

Die entscheidenden Verhandlungen zwischen Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid und der Bundesregierung um die Zukunft des Mobilfunkunternehmens kommen kaum noch von der Stelle. Nach wie vor strittig ist die Person des Treuhänders, der die Anteile Schmids künftig verwalten soll, hieß es aus dem Umfeld der Verhandlungen.

Während Schmid seine Aktien dem ehemaligen Debitel-Chef Joachim Dreyer anvertrauen will, fordert die Regierung den Rechtsanwalt Reinhard von Dalwigk als zweiten Treuhänder. Eine Tandem-Lösung lehnt Schmid jedoch ab. Die übrigen strittigen Punkte sind nach Angaben von Schmids Sprechern gelöst; der Text des Treuhandvertrags sei fertig. Der Verhandlungsstand hat sich damit gegenüber dem Vortag nicht geändert.

Die Übertragung der Aktien Schmids an einen Treuhänder ist eine entscheidende Voraussetzung für alle weiteren Schritte zur Sanierung des angeschlagenen Unternehmens. Mobilcom kündigte am Donnerstag an, dass die Neun-Monats-Zahlen des Unternehmens erst Ende November vorgelegt werden können und nicht wie ursprünglich vorgesehen am kommenden Dienstag.

Die Verschiebung sei auf Engpässe in der Finanzverwaltung zurückzuführen. Gleichzeitig erneuerte ein Mobilcom-Sprecher seine Einschätzung, dass ein Insolvenzantrag noch nicht unmittelbar bevorsteht. Die letzte Finanzspritze für das Unternehmen von 50 Millionen Euro aus dem September ist jedoch fast aufgebraucht, so dass ohne eine Einigung mit Schmid die Insolvenz kaum mehr abzuwenden ist.

Wirbel verursachte am Donnerstag ein Pressebericht der Financial Times Deutschland, nach dem Schmid wesentliche Anteile seines Mobilcom-Pakets an seine Frau Sybille Schmid-Sindram übertragen haben sollte. “Das ist vollkommener Blödsinn”, erklärte eine Schmid-Sprecherin.

Der Mobilcom-Gründer selbst hatte im Laufe der Woche erklärt, dass Aktien aus dem Privatvermögen seiner Frau nicht an den Treuhänder übertragen werden, sondern lediglich Anteile der Firma Millennium, die Schmid-Sindram gehört. Nach Schmids Angaben hält er selbst rund 30 Prozent, Millennium mehr als fünf Prozent und Schmid-Sindram weniger als fünf Prozent der Mobilcom-Aktien. Teilweise sind die Wertpapiere an Banken verpfändet.

Falls das Wirtschaftsministerium und Schmid sich einigen, werden voraussichtlich in der kommenden Woche die weiteren Schritte unternommen, um Mobilcom zu retten. Dazu gehört eine weitgehende Entschuldung des Unternehmens durch den zweiten Großaktionär France Télécom, der seine Aktien ebenfalls einem Treuhänder übertragen soll.

Außerdem sind staatliche verbürgte Kredite über rund 100 Millionen Euro im Gespräch, um die Liquidität des Unternehmens zu sichern und die Insolvenz abzuwenden. Gewerkschaften und Betriebsrat haben bereits dem Abbau von 1850 der rund 5000 Arbeitsplätze zugestimmt.