Microsoft weist den Weg – und lässt die Hosen runter

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Gates verbreitet Visionen und Waffen

In seiner Rede zur Eröffnung der IT-Messe Comdex in Las Vegas hat Microsoft-Chefentwickler Bill Gates angekündigt, die Produkte aus Redmond noch weiter vom Desktop weg auf die unterschiedlichsten Geräte transferieren zu wollen. Gleichzeitig veröffentlichte der Konzern zum ersten Mal detaillierte Finanzdaten, die den Kritikern und juristischen Gegnern Auftrieb geben könnten.

Den Comdex-Besuchern kündigte Gates an, Microsoft werde sich in Zukunft auch um Endgeräte und Anwendungen bemühen, die wie eine Armbanduhr oder eine Anzeigetafel funktionieren: Es gehe darum, mit einem “Wimpernschlag” Informationen aufnehmen zu können.

Die künftige Marschrichtung von Microsoft könnte auch eine Kooperation verdeutlichen, die in diesen Tagen vorgestellt wurde: Durch die Zusammenarbeit mit der Kopierladenkette Kinkos soll es Microsoft-Anwendern möglich sein, Inhalte aus ihren Anwendungen direkt auf Drucker im nächstgelegenen Kopierladen auszugeben. Dieser Dienst sei ein Beispiel für die Anwendungsmöglichkeiten der Dotnet-Architektur, so Gates.

Für Aufsehen sorgte Microsoft aber nicht nur mit seinen Zukunftsplänen, sondern auch mit einer Pflichtmitteilung an die amerikanische Wertpapieraufsicht SEC. Darin sind erstmals Angaben zur Gewinnverteilung der einzelnen Sparten aufgeführt.

Erfolgreich sind im Microsoft-Konzern demnach nur die Bereiche PC- sowie Server-Betriebssysteme und Anwendungssoftware. Verluste schreiben dagegen nicht nur die Heim- und Unterhaltungselektronik und der Internet-Serviceprovider MSN, sondern auch die Unternehmenssoftware und die Betriebssysteme für Kleingeräte.

Microsoft-Kritiker sehen darin das bisher deutlichste Indiz dafür, dass der Konzern die Gewinne aus dem Monopolgeschäft mit PC-Betriebssystemen massiv dafür einsetzt, andere Sparten quer zu subventionieren. Letztendlich würden die Gewinne aus dem Missbrauch der Vormachtstellung dazu verwendet, um das Monopol weiter auszudehnen, so die Argumentation. Derzeit ist unklar, was Microsoft zur Veröffentlichung dieser Daten bewogen hat – denn noch steht eine wichtige Entscheidung der Europäischen Kommission zu den Kartellvorwürfen in Europa aus.

Schließlich revidierte Gates in den USA eine seiner frühen Prophezeiungen aus dem Jahr 1995. Damals, zu Beginn der Internet-Verbreitung, wollte sich der Microsoft-Gründer mit der Aussage hervortun, das Netz werde die Abwanderung der Menschen vom Land in die Städte stoppen, weil wichtige Informationen dann überall verfügbar seien.

Dieser Effekt sei bislang aber ausgeblieben, gestand Gates ein. Denn inzwischen nutzten die Menschen auf dem Land eben die verfügbaren Informationen, um in der Stadt einen attraktiveren Job zu finden, so Gates. Daran hat auch seine Großzügigkeit offenbar nicht viel geändert: Bisher hat Gates nach Microsoft-Angaben rund 40 000 PCs in den USA an öffentliche Einrichtungen verschenkt.