Storage mausert sich zum Service

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Abteilungen zur Kasse bitten kommt in Mode

Datenspeicher müssen eine neue Rolle in der Unternehmenslandschaft finden. Sie sollen zunehmend von Kostentreibern zu Profit-Centern werden, also Dienstleistungszentralen, die intern bezahlt werden. Das zumindest wünschen sich die Teilnehmer und Fachleute auf der Chicagoer Konferenz Storage Decisions 2002.

So stellten die Storage-Profis einmütig fest, dass die Speicherwelt immer größerem Druck ausgesetzt sei, nicht mehr als “Geldfresser” in der Jahresbilanz aufzutauchen, sondern vielmehr Einnahmen zu generieren. Und das geht, da die Aufgaben im Umgang mit den gespeicherten Daten doch sehr geschäftskritisch sind, nur intern.

Speichermarkt-Analyst Steve Dupliesse von der Enterprise Storage Group in Massachusetts geht noch weiter: “Die ganze IT muss ein Profit-Center werden, nur so kann sie aus der Taktik-Nische herauskommen und zu einem strategischen Posten werden.” Sobald die IT als interner Dienstleister fungiere, bekomme sie augenblicklich eine strategische Bedeutung, rät er. Damit werde die IT gleichzeitig aufgewertet und sichere ihre eigene Daseinsberechtigung innerhalb einer Unternehmensstruktur dauerhaft.

Einige Konferenzteilnehmer können bereits auf Erfahrungen verweisen. So berichtete Barbara Bennett, Speichersystem-Analystin bei Boeing, dass die Initiative für ein Bezahlmodell nicht einmal aus der IT selbst gekommen sei, sondern aus der Chefetage.

Und bei den Mitarbeitern komme die Idee des so genannten Charge-Back-Systems gut an: “Wenn die Anwender einmal verstanden haben, dass sie nicht irgendetwas, sondern genau die Dienste bezahlen, die sie tatsächlich nutzen – dass sie also nicht die Kontrolle aus der Hand geben, sondern im Gegenteil viel mehr Transparenz haben – dann sind sie in der Regel für die Idee.”

William Crosby, Speicherfachmann und Vice President bei der Bank of New York, weist gegenüber US-Medien auf weitere Vorteile hin: “Wir haben das Bezahlmodell vor sechs Monaten eingeführt, da wir unsere Speicheraufgaben besser verteilen und verwalten wollten.” Vordem sei schließlich ein Großteil der Kapazität schlecht ausgelastet gewesen, was Unmengen an Geld im Jahr verschlungen habe. “Wir hoffen, dass nun das Profit-Center beide Seiten für die Speicherkosten und auch für die Gesamt-Performance des Unternehmens heranzieht – die Speicherwelt ebenso wie die Nutzer.”

Und er hat auch bemerkt, dass die alte Wahrheit gültig ist, nach der man besser zu schätzen weiß, wofür man bezahlt: “Sobald die Anwender verstanden haben, dass sie dafür zur Kasse gebeten werden, vermeiden sie es, Storage unnötig einzufordern oder gar den kostbar gewordenen Speicherplatz zu verschwenden.”

Als einziges Problem benennen Crosby und Bennett aber die Frage, wie die Kostenstruktur gerecht gestaltet werden könne. “Speicher ist sowieso ein komplexes Thema, aber die Kosten dafür zu berechnen, das geht nicht so pauschal”, sagen sie.

silicon meint: Die beiden amerikanischen Manager haben den ersten Schritt hin in eine kosteneffektive Speicherwelt schon getan: Nämlich, das Bewusstsein innerhalb des Unternehmens zu verändern und den Blickwinkel der Nutzer neu einzustellen. Ob dieses Modell allerdings nur eine Modeerscheinung der finanzschwachen Zeiten ist oder darüber hinaus Bestand hat, das wird sich noch zeigen.