Massenentlassungen: Siemens-Betriebsrat geht an die Öffentlichkeit

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“Das war von langer Hand geplant”

Mit einem ungewöhnlichen Schritt macht der Betriebsrat der Siemens-Abteilung ICN auf die Situation der Arbeitnehmer aufmerksam: In einem Schreiben an die Presse und die Öffentlichkeit werfen die Arbeitnehmervertreter der Geschäftführung Verschleierungstaktik und Hinhaltepolitik bei den geplanten Massenentlassungen in der Münchner Niederlassung in der Hoffmanstrasse vor. Der Abbau von 2600 Arbeitsplätzen binnen sechs Wochen sei “offenkundig lange geplant” gewesen.

Besondere Kritik verdiene demnach der Umbau des Bereiches nach horizontalen Kriterien, der bislang nach Produktgruppen aufgestellt gewesen sei. Das sei “bereits seit Monaten beabsichtigt gewesen” und die Belegschaft sei “über Wochen mit Halbwahrheiten hingehalten und über die wahren Absichten im Unklaren gehalten” worden, heißt es in der Stellungnahme. Die Vorschläge des Betriebsrates zu einem Kurzarbeitsmodell und anderen arbeitsplatzsichernden Maßnahmen seien vom Management nicht ernsthaft in Betracht gezogen worden.

Die Arbeitnehmervertreter werben weiterhin für ihr Kurzarbeitsmodell. Die Belegschaft trage die Vorschläge trotz finanzieller Einbußen mit. Das Modell berücksichtige “die Krise der Branche und deren notwendige unternehmerische Konsequenzen”. Viel Zeit lässt ihnen die Unternehmensführung dafür nicht mehr: Wenn bis zum 15. Oktober keine Einigung unter Dach und Fach sei, würden betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen.