Siebel klammert sich an Microsoft und nennt das Fortschritt

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Einzigartige Kooperation

Der CRM-Spezialist Siebel hat mit Microsoft eine weit reichende Kooperationsvereinbarung geschlossen. In deren Rahmen fokussiert Siebel seine Produkte auf Microsofts Dotnet Web-Services-Plattform, will aber auch weiterhin parallel auf Basis von J2EE anbieten.

Außerdem sollen insgesamt 200 Mitarbeiter der beiden Häuser gemeinsam entwickeln, in die Zusammenarbeit sollen in den kommenden Jahren rund 250 Millionen Dollar investiert werden. Die Partner hoffen, auch den Bedarf der Kunden gemeinsam besser zu erkennen. Und schließlich will zwar keiner der beiden als Reseller des anderen auftreten, aber Support und Sales sollen trotzdem eng kooperieren.

Allgemein wird die Ankündigung als Eingeständnis Siebels verstanden, gegen SAP allein nicht bestehen zu können. Die Vereinbarung soll auf persönlicher Ebene zwischen den Firmengründern Tom Siebel und Steve Ballmer zustande gekommen sein, hieß es auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in München, nachdem tagelang Gerüchte über eine Zusammenarbeit der beiden Unternehmen kursierten.

Berichte, Microsoft werde sich zu einem wesentlichen Teil an Siebel beteiligen, wurden dagegen in Abrede gestellt. Dazu gebe es auch für die Zukunft keine Pläne, so Walter Seemayer, Mitglied der Microsoft-Geschäftsführung in Deutschland, zuständig für Softwareentwicklung und Dotnet.

Konkret soll sich die Zusammenarbeit von Siebel und Microsoft auf drei Bereiche beziehen: Siebels Integration-Business-Processes sollen sich mit Hilfe von Microsofts Biz-Talk-Server und den Visual Studio Dotnet Design Tools implementieren lassen und die Siebel E-Business-Applikationen werden Microsofts Dotnet nutzen und eng mit dessen Office-Suite verknüpft werden. Zudem wird Siebel seine E-Business Applikationen für Windows als Server-Betriebssystem, den SQL Server und das Dotnet Framework optimieren.

Damit ist auch Microsoft in Siebels Universal Application Network (UAN) vertreten, mit dem die Integration von Business-Anwendungen leichter zu bewerkstelligen und günstiger werden soll. UAN, das gerade auf den Markt gekommen ist, definiert eine Reihe von Geschäftsprozesse, sodass aus der Siebel-Anwendung heraus auf Anwendungen anderer Hersteller zugegriffen werden kann.

Integration gilt umso mehr als Hype-Thema, weil Analysten davon ausgehen, dass nur eine verschwindend geringe Anzahl von Unternehmen es sich wird leisten können, ausschließlich auf J2EE oder Dotnet zu setzen. Also muss sowohl auf Applikations- als auch auf Plattform-Ebene angedockt werden können. Und schließlich rechnen Branchenbeobachter damit, dass in Zukunft ein Drittel aller IT-Ausgaben für Konsolidierung und Integration aufgewendet wird – ein gewaltiges Einsparpotential.

Unklar ist jetzt allerdings, wie sich Microsofts eigene Ambitionen im CRM-Markt zu der jetzt vorgestellten Zusammenarbeit verhalten werden. Uwe Ritter von Siebel Deutschland wies darauf hin, dass die Kooperationen mit Tibco, Webmethods, Vitria, Bea und Mercateo jedenfalls auch nicht von der Microsoft-Allianz berührt werden sollten.

Silicon meint: Die “verteiltere Natur von Software” nimmt immer mehr Gestalt an. Und Microsoft scheint es zu gelingen, hier ein entscheidendes Wort mitzureden. Und die Bindung – wenn auch angeblich nicht exklusiv – von Siebel an Microsoft ist ein großer Vertrauensvorschuss für Dotnet.