Gates will den Laufstall für PC-Anwender

EnterpriseNetzwerke

Microsoft fummelt an Sicherheitsarchitektur

Es ist wahr: Der PC, wie wir ihn kennen – unter sicherheitstechnischen Gesichtspunkten ist er alles andere als ein Meisterstück. So wie er ist, bietet er ein lohnendes Ziel für Spam, Viren, Hacker-Attacken und was sonst noch alles. Ein besserer PC wäre heute in erster Linie ein sicherer PC. Mit dem Projekt Palladium kommt Microsoft daher scheinbar den Bedürfnissen breiter Anwenderschichten entgegen.

Die Unsicherheitsfaktoren für die heutige IT-Infrastruktur liegen aber keineswegs nur beim PC. Spam etwa ist kein PC-typisches Phänomen. Die Frage der Rechte an digitalem Content haben nichts mit der Architektur des PC zu tun, sondern mit der Beschaffenheit der Kommunikationswege und mit den kommerziellen Verhältnissen im Internet.

Wenn sich die Softwarefirma aus Seattle nun anschickt, den PC “sicherer zu machen”, dann ist das nicht zuletzt eine Frage der Perspektive. Natürlich würde sich jeder PC-Benutzer, ob privat oder betrieblich, über eine garantiert virenfreie Umgebung freuen. Aber die Hauptstoßrichtung Microsofts geht in eine andere Richtung; die Sicherheit gegenüber Viren und Spam ist nur ein Nebenprodukt des Microsoft-Ansatzes.

Viel wichtiger ist die Frage, wer die Kontrolle darüber behält, welche Software auf dem Rechner läuft. Ist es erst einmal möglich, bestimmte Arten von Software auszuschließen – das können Viren sein, aber auch andere Kategorien von Programmen – so eröffnen sich phantastische Möglichkeiten für einen Softwareanbieter. Sie reichen vom Erzwingen eines Updates bis zum Abblocken von Konkurrenzprodukten.

In eine ähnlich bedenkliche Richtung weist auch das im Palladium-Projekt enthaltene Digital Rights Management. Microsoft wirbt dafür mit dem Argument, damit könne auch der kleinste Privatuser die Verbreitung seiner Dokumente und Mails selbst kontrollieren. Hübsch – aber in Wahrheit geht es wohl eher darum, dem Musik- und Videotausch im Internet ein für alle Male den Garaus zu machen. Gates dient sich hier der Medienindustrie mit ihren ausufernden Forderungen nach Copyright-Kontrolle an, der das fröhliche kostenfreie Treiben im Internet schon lange ein Gräuel ist.

Es ist stark zu vermuten, dass die Interessen von Privatusern und DV-Leitern auf den meisten der genannten Problemfelder diametral auseinanderlaufen. Wer Microsoft die mit Palladium verbundene Machtfülle nicht zugestehen möchte, wird künftig gezwungen sein, auf Alternativen wie Linux auszuweichen. Daher könnte sich das Palladium-Projekt für das Softwarehaus als Rohrkrepierer erweisen.