Human Resources

Enterprise

Nächste Woche ist’s wieder soweit. Lange Schlangen vor’m Taxistand, überteuerte Privatquartiere, zugige Hallen. Eine norddeutsche Provinzstadt veranstaltet das, was ausgesprochen Zentrum für Büro- und Informationstechnik heißt. So sagt aber heute niemand mehr.

Eine norddeutsche Provinzstadt veranstaltet das, was ausgesprochen Zentrum für Büro- und Informationstechnik heißt. So sagt aber heute niemand mehr.

CeBIT!!! The World-IT-Summit.

Und was Neues gibt’s diesmal auch wieder. Ein HRCC. Ein Competence Center für die Human Resources.

Darum soll’s dort nämlich gehen. Schönes Thema!

Da beschäftigen sich ja zur Zeit gerade alle mit. Mit den Human Resources. Also den Arbeitsmännern und Arbeitsfrauen.

Erst am Rosenmontag hat der Bundeskanzler ja das Scheitern des Bündnisses für Arbeit bekannt gegeben. Woran’s lag, ist klar. An den Betonköpfen von der Gewerkschaft natürlich.

Deren Funktionäre sind nämlich sehr unflexibel. Im Unterschied zum Bundeskanzler.

Der ist ja sehr wendig. Weil er unabhängig ist, der Bundeskanzler.
Denn er braucht von jenen, die im Wirtschaftsleben die Human Resources bilden, schließlich nur gewählt zu werden. Die Gewerkschaftsfunktionäre aber lassen sich von denen sogar bezahlen.

Kein Wunder, dass die so starrsinnig sind. Beim Kündigungsschutz beispielsweise.

Die können sich bei dem Thema ja noch nicht einmal richtig ausdrücken. Das, was unsere Wirtschaft so dringend braucht, bezeichnen die fälschlicherweise als “Aufweichung” des Kündigungsschutzes.

Wo doch jeder weiß, dass es eigentlich Lockerung heißen muss. Das klingt schließlich viel freiheitlicher.

Und mehr Kündigungsschutz, also das, was die Regierung aus Versehen zu Beginn eingeführt hat, das nennt man korrekt Verschärfung. Jeder Zeitungsvolontär, der was anderes schreibt, bekommt den Artikel von seinem Chef vom Dienst um die Ohren gehauen.

Am Dienstag hat’s denn auch so in der Süddeutschen Zeitung gestanden. Auf der Kommentar-, nicht auf der Faschingsseite.

Gut, das klingt jetzt vielleicht etwas ungewohnt. Für jemanden, der nur verschärfte Angriffe, Strafen, Probleme, Krisen und ähnliches kennt.

Aber in Zeiten wie diesen darf man nicht (sprach-)gefühlsduselig sein. Ohren zu und durch! Das muss so sein. Alle sagen das.

Bloß im Bündnis für Arbeit ist das bei einigen noch nicht angekommen. Man hat aber auch verbal einiges schleifen lassen in jüngster Zeit.

Völlig ungestraft konnten die Ewiggestrigen ja lange von “Hire and Fire” sprechen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie das immer in einem abfälligen Ton getan haben.

Wenn auch solche Leute schon Business-Englisch reden! Da kann ja nichts bei herauskommen.

Zugegeben ein richtig gefälliger Begriff ist dafür noch nicht gefunden worden. Outplacement war ja auch kein Bringer. Zumindest nicht bei denen, mit denen man sowas gemacht hat. Da ist es auch kein Wunder, dass das mit dem Bündnis schief gegangen ist.

Dem Kanzler wird’s wahrscheinlich sogar recht sein. Dem passt das schließlich überhaupt nicht, wen andere immer mitschnabeln wollen.

Ist doch auch wahr! Kein Mensch redet dem Bäcker beim Brötchen Backen rein.

Aber dem Kanzler will jeder sagen, wie er Politik zu machen hat. Dabei hat der Mann ja Argumente. Eines zumindest. Basta!

Schluss mit dem ewigen Rumgequatsche! Jetzt wird gehandelt. Sonst passiert vielleicht wirklich noch was Schlimmes.

In der IT gibt’s da ja ganz bedenkliche Tendenzen. Autonomous Computing heißt’s bei IBM. HP nennt es Utility Data Center und Sun N1.

Das haben die Marketing-Leute sich so ausgedacht. Klingt sehr verschieden. Aber davon darf man sich nicht täuschen lassen.

Es läuft nämlich alles auf dasselbe hinaus: Die IT-Strategen sind draufgekommen, dass man den Rechnern nicht mehr alles haarklein vorzugeben braucht. Die sind nämlich mittlerweile recht klug geworden.

In den IBM-Labors meinen sogar einige, ein heutiger Hochleistungs-Server bringe es durchweg auf die Intelligenz einer mittelmäßig gescheiten Eidechse. Deshalb nennen sie das Projekt, das das Potenzial dieser Maschinen voll ausschöpfen will, E-Liza. Kommt von Lizard/Eidechse.

Eine Eidechse hat schließlich auch Sachen wie Loadbalancing, Taktung und andere Systemmanagementfunktionen selbst voll im Griff. Nur heißt’s da natürlich anders: Blutdruck, Puls, Körpertemperatur und so.

Wenn aber eine Eidechse sich selbst managen kann, warum dann nicht ein Computer, der so intelligent ist wie eine Eidechse? Und die werden immer klüger.

Und was wird passieren, wenn es erst einmal Computer oder Roboter gibt, die so klug sind wie Menschen? Die könnten ja dann beispielsweise völlig autonom in der Fabrik agieren. Die bräuchten keinen Administrator mehr, der ihnen detaillierte Handlungsanweisungen gibt.

Ein Computer, so gescheit wie ein Mensch. Das wär’s doch!

Wobei: Weshalb muss es eigentlich ein Computer sein … Ein ganz gefährlicher Gedanke ist das! Auf sowas kommen die Leute auch nur in ganz schlimmen Notsituationen.

Nein, nicht 1848 oder 1918/19. Erst vor kurzem, Anfang der 90er Jahre. Damals, als die Not in der deutschen Automobil-Industrie am größten war. Wegen der Japaner.

Not lehrt bekanntermaßen beten – manchmal sogar denken. Jedenfalls sind seinerzeit einige Manager draufgekommen, was für ein Potential doch in den Köpfen der Arbeitsmänner und Arbeitsfrauen steckt.

Und deshalb haben sie damals die ‘lean production’ erfunden: Kein Meister und kein Vorarbeiter sagt mehr, wo’s lang geht. Sondern die Leute am Band organisieren die Sache selbst. Und außerdem wird das Band abgeschafft.

Eine ganz gefährliche Situation war das damals. Ganze Hierarchie-Ebenen sind abgeschafft worden. Und viele Führungskräfte kamen sich überflüssig vor, bloß weil sie’s waren.

Na ja, der Automobil-Industrie geht’s jetzt ja wieder besser. Und in Hannover gibt’s auch ganz bestimmt sehr schöne Programme für das Human-Resource-Management.

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