Mobilcom-Lizenz weckt Hassliebe

EnterpriseNetzwerke

Niederländer und Briten im Wettstreit

Die insolvente Mobilcom AG verhandelt intensiv mit der KPN-Tochter E-Plus Mobilfunk und der britischen O2 über den Verkauf des UMTS-Funknetzes. Der Nachrichtendienst vwd bezeichnete die Abgabe an einen der beiden Interessenten nach Informationen aus Verhandlungskreisen als “äußerst wahrscheinlich.

Bei beiden liefen die sogenannten Due-Dilligence-Prüfungen, so heißt es. Damit sei die vom Mobilcom-Vorstand als letzte Möglichkeit ins Auge gefasste Verschrottung des Netzes endgültig vom Tisch. Der Verkaufspreis soll dabei mit einem “niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag” einen eher symbolischen Wert haben.

Die Befürchtungen, für die ehemalige “Lizenz zum Geldverdienen”, wie die Berechtigungsscheine einmal genannt worden waren, könne sich trotz des niedrigen Preises niemand interessieren, haben sich vorerst nicht bewahrheitet. Mobilcom hatte schließlich nach Angaben aus gut informierten Kreisen “so gut wie nichts” zum Netzaufbau beigetragen und lässt damit die neuen Besitzer mit hohem Investitionsdruck zurück. Ende März, spätestens Ende April soll nun der neue Besitzer bekannt werden.

Das Nachrichtenmagazin Spiegel meldet hingegen, der Angebotspreis für die ehemals 8 Millionen teure Lizenz betrage nur noch tatsächlich symbolische 1 Euro. Absagen zuhauf zählten die Büdelsdorfer demnach in den vergangenen Tagen. Auch hier ist aber bekannt, dass zwei Konzerne “nähere Informationen” wünschten.

Vor wenigen Tagen habe der Mobilcom-Vorstand sogar sechs große international tätigte Venture-Capital-Gesellschaften angeschrieben. Die Antworten stünden noch aus. Ein Sprecher von Mobilcom wollte sich zum Stand der Verhandlungen nicht äußern.

Findet Mobilcom für die Lizenz keinen Käufer, wird sie Ende des Jahres eingezogen. Denn in den Verträgen hatte Mobilcom zugesagt, das UMTS-Funknetz auszubauen. Erfolgt dies nicht, ist eine Rückgabe der Lizenz fällig. Verkauft Mobilcom das UMTS-Funknetz, muss Großaktionärin France Telecom SA, Paris, nicht die vereinbarten Kosten für den Abbau des Netzes übernehmen.

silicon meint: Manchen Füchsen sind die Trauben zu sauer. So passiert nun, was beim Verkauf der Lizenzen im Jahr 2000 die Spatzen von den Dächern pfiffen: Die “Lizenz zum Geldverdienen ist nur eine Lizenz zum Geldvernichten”. Wer den längsten Atem hat – die dicken, eingesessenen Telefongesellschaften -, der gewinnt. Wie immer.