Schlaue Kompressionstechnik löst WAN-Verstopfung

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Nicht nur Kunden wollen schneller netzwerkeln …

Die Kompressionstechnik für Unternehmensnetzwerke auf der WAN-Strecke, die das US-Unternehmen Peribit entwickelt hat, scheint sich mehr und mehr zu etablieren. Die Technik basiert auf dem Gedanken, die repetitiven Elemente in Datenströmen wie auch Applikationen zu eliminieren und dadurch Bandbreite zu befreien.

Doch nicht nur den interessierten Unternehmen, auch Netzwerkkönigen wie Cisco und Nortel fehlen die Kompressionsboxen scheinbar. Dass sie teilweise zum Abschalten ihrer eingebauten Kompressionstechnik raten, um die vielfältigen anderen Funktionalitäten nicht zu beeinträchtigen, gilt als offenes Geheimnis.

Sie bieten in ihren Routern schließlich immer noch die weit verbreitete und etablierte, aber ungleich langsamere LZ-Technik mit größeren Latenzen an (Lempel-Ziv nach den Entwicklern Jacob Ziv und Abraham Lempel). Hierbei verweisen sogenannte Pointer auf wiederkehrende Muster im Datenstrom wie Buchstaben in einer Textübertragung, Rahmen in einer Slide-Show und ähnliches. Bei jedem weiteren Auftauchen eines Elements ersetzt dieser Pointer, der auf das erste Element verweist, quasi das Element und reduziert so die Datenmenge auf das Wesentliche.

Unisys-Entwickler Terry Welch hat zwar ebenso wie Peribit eine Art Dictionary angelegt, das sämtliche Elemente in dieses Verzeichnis ablegt und durch schmalere Elemente ersetzt – die Technik der Kalifornier hat diesen Gedanken jedoch durch den Einsatz von durch die DNA-Analyse bekannte Aufsplittung der Elemente und Ersatz der kleinsten (Molecular) Einheiten durch schmalere erweitert. Eine noch bessere Kompression ziehe seither die Aufmerksamkeit diverser Großunternehmen weltweit auf sich, erklärt CEO Jef Graham im Gespräch mit silicon.de.

Eine bis zu fünffache Kapazitätssteigerung soll durch die Molecular Sequence Reduction (MSR) genannte Technik in greifbare Nähe rücken. Das Thema Leistungsfähigkeit haben inzwischen, glaubt man dem Top-Manager, auch kleinere Kunden für sich entdeckt. “Kundengetrieben haben wir nun mit dem ‘Sequence Reducer 20’ auch kleineren Firmen unsere Technik an die Hand gegeben”, stellt der CEO das jüngste Produkt von Peribit vor.

Bislang, so Graham, seien vor allem diese Unternehmen auf die veraltete LZ-Technik zur Datenkompression angewiesen gewesen, die lediglich repetitive Elemente durch Rückverweis auf den ersten derartigen Pattern im Datenstrom reduziert. “Um die Kompressionsaktivitäten selbst zu beschleunigen, haben wir sie nun nicht nur für kleinere Netzwerke attraktiv gemacht, sondern auch auf Applikationen angepasst”, so Graham.

Aus der Performance einer SAP-Anwendung beispielsweise “das Beste herauszuholen” sei nunmehr auch für Mittelständler möglich. Hinzu komme nun bei den neuen Anwendungen mit der Bezeichnung SRS 3.0 – und bei SR 20 – ein zentrales Verwaltungstool; dies erleichtere zusätzlich die Kontrolle. Vereinfachte Bandbreitenzuweisung, -Management- und -Monitoring-Funktionen erweiterten nun auch nach den Vorstellungen der bisherigen Kunden die neuen Produkte.

Denn von den Großprodukten SR 50 und 55 sei Peribit schließlich dazu übergegangen, peu à peu eine ganze Produktfamilie aufzubauen und damit neue Kundengruppen anzugehen. “Wir haben dabei großen Wert darauf gelegt, dass unsere Produkte auch in einem Netz gemeinsam laufen können”, führt er aus. So sei der gleichzeitige Einsatz des kleinen Bausteins mit zwei 10/100 Ethernet Ports und des SR 50 und 55 mit jeweils zwei 10/100 Gigabit Ports denkbar.

Auch erste Kunden in Deutschland hätten mit SR 20 oder den großen Lösungen die Projektphase abgeschlossen, kann Thomas Weiss berichten, Regional Director für Zentraleuropa. Deren Namen hält er allerdings noch geheim.

silicon meint: Gut stehen würde die Lösung Cisco und Konsorten schon. Ob sich das Unternehmen mit seinen Plänen, unabhängig zu bleiben und im kommenden Jahr den Börsengang zu wagen, durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Sicherlich sind die Zeiten vorbei, als Zukäufe um ihrer selbst willen stattfanden. Aber der Appetit der Großen auf leckere Kleine ist bereits wieder da, wie die letzten Cisco-Übernahmen zeigen. So arg lange liegen die nämlich nicht zurück.