Belluzzo baut Quantum völlig neu auf

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Ex-Microsoft-Mann hängt an Software

Quantum, alteingesessener Tape-Konzern mit dem eigenen Speicherformat DLT, soll sein etwas angestaubtes Image verlieren. Damit die Quartalszahlen besser werden, soll der Technikhersteller zum Komplett-Lösungsanbieter mit Software- und Services im Portfolio mutieren. Rick Belluzzo, seit September am Schreibtisch des Quantum-CEO und vorher COO bei Microsoft, will dafür sorgen.

“Wir wollen lieber weniger Sachen richtig gut machen, als vieles nur halb”, lautet sein Motto. In diese Tonlage falle beispielsweise auch der Verkauf des Festplattengeschäftes an Maxtor im Jahr 2001 und die Tatsache, dass der erfolglose Versuch, im NAS-Markt aktiv zu werden Mitte 2002 endgültig für gescheitert erklärt wurde. Im Herbst vergangenen Jahres bildete die ehemalige Quantum-Abteilung zusammen mit Broadband das Unternehmen Snap, das außer NAS neuerdings auch SAN-Lösungen anbietet.

“Um hier eine bestimmende Rolle zu spielen, muss man in der Liga von Network Appliance zuhause sein – das ist nicht unser Ziel und so zogen wir die entsprechenden Konsequenzen”, gab er im Gespräch mit silicon.de offen zu.

Eine stetige Analyse der jeweiligen Marktsituation sei für ein erfolgreiches Unternehmen unabdingbar, erläutert er. “Wir teilen die Erkenntnis, dass sich Software und Services doppelt so schnell entwickeln werden wie andere IT-Themen, die unser Fachgebiet streifen – der Tape-Bereich wächst hingegen unserer Einschätzung nach in nächster Zeit nur langsam”, so Belluzzo. Selbstverständlich werde es immer Bandspeicherung geben, aber die Margen seien derzeit dünner und die Konkurrenz stärker geworden.

Er spricht allerdings nicht von einer DLT-LTO-Konkurrenz. Für ihn ist klar: “Hier steht Quantum gegen HP, Seagate und IBM – nicht Technik gegen Technik.” Im letzten Jahr habe Quantum zwar an die LTO-Familie Marktanteile verloren, doch dies soll wieder wett gemacht werden. Vor allem die rasche Integration neu gekaufter Unternehmen wie Benchmark und der ebenso zügige Umbau der Roadmap werde hier Früchte tragen, so der CEO. Er sagt: “In der Vergangenheit hat Quantum der Integration und dem Management-Fokus für wichtige Produktlinien wenig Aufmerksamkeit geschenkt – das hat sich gerächt und soll nun anders werden.”

So gilt die Wachsamkeit des Top-Managers nunmehr dem relativ neuen Tape-Automation-Geschäft. Ziele hat er auch schon: “Binnen drei bis vier Jahren werden wir unseren Marktanteil hier verdoppelt haben”, ist er sich sicher. Hier habe das Unternehmen vor allem durch die Zukäufe der Firmen ATL und M4 eine besonders breite Produktpalette aufgebaut und werde diese auch weiter ausbauen.

Ob es weitere Akquisition für diesen Bereich geben wird, sagt er nicht. Er verwies statt dessen auf die neuen Partnerschaften, die Feinde zu Freunden machen: “Unsere neue Zusammenarbeit mit Hewlett-Packard, Sun, IBM und Dell in diesem Feld läuft sehr gut an.”

Kundenseitig setzt er auch zunehmend auf den kleinen Abnehmer. “Unsere Marktbeobachtung zeigt, dass es derzeit notwenig ist, auch den Midrange- und Lowend-Bereich nicht außer Acht zu lassen”, sagt Belluzzo. Dabei wolle er sich aber keineswegs verzetteln: “Auch hier gilt: Weniger ist mehr.” Eine Art von Gemischtwarenladen mit Produkten für alle Unternehmensgrößen wolle sein Unternehmen nicht werden – “da wird die Produktpalette und damit auch langfristig die Gewinnmarge zu dünn”.

Quantum werde auch nicht Gefahr laufen, sich zu stark im Softwarebereich auszubreiten. “Wir werden nicht in die Fußstapfen von Overland treten und Storage Management zu unserem Hauptproduktfeld machen”, sagt der CEO. Und weiter: “Die Aufmerksamkeit unseres Managements bleibt auf dem, was wir können, und das ist alles, was mit Tapes zu tun hat – Hardware, Support, Services und Anwendungen.”

silicon meint: ADIC und Storagetek heißen mehr denn je die alten neuen Gegner. Vor allem das neue Engagement im Services-Bereich dürfte Spieler wie Overland auch nicht kalt lassen, ist der Dienstleistungsbereich und die Softwareseite doch deren Stärke. Quantum ist auf diesem Feld neu und muss sich das Vertrauen der Kunden vielleicht erst teuer erarbeiten – andererseits: wer kennt die Bandspeicher-Pioniere nicht, auf denen nahezu jedes Unternehmen der Welt seine Daten anvertraut?