IBM und Cisco: Händchen halten gegen Brocade

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Fünfspurige Autobahn für die neuen FC-Switches

Einen entscheidenden Raketenantrieb erhalten die FC-Switches des Netzwerkkonzerns Cisco. Der IT-Riese IBM wird die Fibre-Channel-Produkte (FC) weiter verkaufen. Somit stehen Cisco die wohl weltweit am weitesten gespannten und erprobten Verkaufskanäle zur Verfügung. Die Produkte der Familie MDS 9000 sollen demnach auch über IBM zu erhalten sein. Bereits Ende dieses Jahres will IBM Ciscos Multilayer Director MDS 9509, den MDS 9216 Multilayer Fabric Switch, sowie kleinere FC-Bausteine kompatibel gemacht haben und auf den Markt bringen.

Den anderen FC-Herstellern, namentlich Brocade, McData, Inrange und Quantum dürfte diese Nachricht sauer aufstoßen, auch wenn sie schon seit einigen Wochen im Raum lag. Für die meisten von ihnen ist IBM ein Hauptpartner für Vertrieb und Weiterverkauf. IBM selbst fährt dabei lediglich seine Linie konsequent weiter, nämlich offen zu sein und entweder Partnerschaften mit allen Anbietern eines Schlages oder mit keinem einzugehen. Da sich mit Cisco ein neuer Spieler gezeigt hat, wird er eben in die IBM-Partnernetze mit eingeknüpft.

Cisco-Manager Luca Cafiero aus der zentralen Speicher-Abteilung freut sich zurecht über die als “eine Art Auszeichnung” geltenden Verträge, auch wenn Cisco aufgrund seiner Markenbekanntheit in anderen Netzwerkbereichen sicherlich nicht zwingend auf die Hilfestellung von IBM angewiesen war. “IBM ist der erste Händler, der ein Reseller-Abkommen mit Cisco für unsere Multiprotokoll-SAN- Switches abgeschlossen hat”, sagte er.

Für die Branchenkenner ist das noch nicht das Ende der Fahnenstange. So besteht nach Ansicht von Speicher-Analyst Steve Duplessie die reale Gefahr für die Konkurrenz, dass Cisco es mit dem einen Reseller-Deal nicht bewenden lasse und ähnliche Verträge mit weiteren großen IT-Firmen abschließen könne.

“Sobald EMC und HDS dazustoßen, und dies ist nur eine Frage der Zeit, so bekommt Cisco einen ganz erklecklichen Teil der Vertriebskanäle für FC-Switches in die Finger”, sagte er gegenüber US-Medien. Zu Ende gedacht bedeute dies, dass Hewlett Packard eventuell auch lieber mit Cisco als gegen Cisco marschieren werde – “und schon haben sie 100 Prozent der Reseller-Marktmacht”.

Für ihn steht außer Frage, dass die anderen Anbieter von FC-Switches bald die Auswirkungen des Vertrages zu spüren bekommen. Selbst wenn sich durch Anfangsprobleme technischer Art – und Duplessie geht fest davon aus, dass diese nicht ausbleiben werden – eine Verschnaufpause ergeben sollte, hebt er mahnend den Finger: “Cisco wird sich im Speichermarkt bald sehr gut auskennen.”

silicon meint: Ob die Prognose wahr wird, die Duplessie da wie ein Menetekel an die Wand zeichnet? Etwas mehr als eine große Marke gehört doch immer noch dazu, wenn man Neuland betritt. Die etablierten Anbieter können jetzt durch konsequente und solide Arbeit gewinnen – übertriebene oder hektisch-fahrige Kundenpflege und ein panisches Einsteigen auf kommende Preiskämpfe im vorauseilenden Gehorsam, das sind schlechte Ratgeber.