Speicher-Guru sagt, worauf die Welt verzichten kann

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Standards sind eben nur ein kleiner Anfang

Steve Duplessie, US-Storage-Analyst und alteingesessener Branchenkenner hält Virtualisierung für nichtsnutzig, den Tausch von APIs unter Herstellern für sinnlos und die Standardisierungsbewegungen dieser Tage für schneckengleich. Gegenüber dem der Storage Networking Industry Association (SNIA) eng verbundenen Magazin ‘SNW online’ ließ er aber auch einige gute Haare an den Speichertrends des vergangenen und des kommenden Jahres.

So sei es zu begrüßen, dass sich die Welt im Laufe der vergangenen zwölf Monate endlich zugetraut habe, Speichernetzwerke anzufassen, zu kaufen und sogar erfolgreich zu betreiben. Dies gelte vor allem für die Trendsetter unter den Global-1000-Unternehmen.

Aber auch hier gießt er einen Wermutstropfen nach: “Das Negativste war wohl, dass es genau sechs Monate zu lange gedauert hat, iSCSI durch alle Standardisierungsinstanzen zu treiben. Schließlich haben wir es hier mit einer der bedeutendsten Entwicklungen im Speichernetzwerk zu tun”, schimpfte er.

Vor einer allzu großen Einschläferung der Nutzer durch die Sicherheit, die Standards vermeintlich bieten, warnt er aber auch. So seien die regulierten Baupläne immer auch eine Interpretationsfrage und ließen den Herstellern entgegen der landläufigen Meinung von der “homogenen Welt” immer noch genügend Spielraum für Eigenbrötlerei.

Der Tausch von APIs unter den großen Drei, so der Grandseigneur, sei in diesem Zusammenhang schlichtweg Humbug. “Es gibt hier genügend Randvereinbarungen unter den Herstellern”, wischt er die Argumente von IBM, HDS und EMC beiseite.

Außerdem vertritt er die diskussionswürdige Meinung, dass “dem Anwender beim Verwalten komplexer und heterogener Umgebungen durchaus ausreichend geholfen” werde – und zwar heute schon.

Die Frage, ob und wie homogen funktionierende SANs in greifbare Nähe rücken, ist für ihn aber nicht halb so spannend wie die nach der Weiterentwicklung der Netze. So seien applikationsbasierte Speicherwelten 2003 der nächste große Schritt. Er steht nach Duplessies Sicht der Dinge aber immer noch im Schatten eines größeren Trends: Vom Storage Resource Management (SRM) zum Automated Resource Management (ARM), also zur automatisierten Speicherverwaltung.

Davor stehen allerdings laut Steve Duplessie immer noch die Anwender wie eine Mauer. “Wir können uns immer noch nicht davon befreien, immer genau wissen zu wollen, wo was physisch liegt”, sagt er. – Diese emotional gefärbte Nuss gilt es demnach zu knacken. Denn: “Wer einem ITler sagt, ‘automatisiere alles sofort’, der trifft ihn an der empfindlichsten Stelle – einerseits weiß er, dass es ihm Arbeit ersparen würde, aber andererseits gibt er nicht gern die Kontrolle aus der Hand.”