Speichermarkt-Konsolidierung: Frage der Technik bleibt ein Pferdefuß

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IT-Verantwortliche brauchen praktikable Antworten

Je dünner die IT-Abteilungen werden und je mehr die Datenmenge in Unternehmensnetzen sich aufbläht, umso beliebter werden einfache, kosteneffiziente, aber vor allem verlässliche Speichersysteme, die trotzdem höchsten Qualitätsansprüchen genügen. Vor allem die Verwaltung der zunehmenden Masse an Mails ist ein wachsendes Problem für Unternehmen.

Mehr und mehr Anwender haben die Lösung in Storage Area Networks (SAN) gefunden, selbst wenn Nutzerbefragungen aus den USA zeigen, dass auch in dieser Glitzerwelt des Storage nicht alles zum Besten steht. Das Marktforschungsunternehmen Gartner sieht in diesen Bedenken lediglich wichtige Hinweise auf Kinderkrankheiten des SAN.

Vielmehr lobten die befragten Nutzerunternehmen die niedrigeren Management-Kosten und die bessere Hardware-Auslastung. So sollen einige von ihnen von einer 30- bis 100-fachen Steigerung der Datenmenge gesprochen haben, die ein Administrator verwalten kann. Forschungsdirektor Bob Passmore von der Gartner Group nennt diese Zahl in der amerikanischen ‘E-Commerce Times’.

Gleichzeitig mit dem Wachstum des SAN-Markts und zunehmenden Rivalitäten der “alten Anbieter” wie Brocade, HP und McData/EMC sowie Newcomern wie dem Netzwerkkönig Cisco, beobachten die Branchenkenner aber auch eine neue Positionierung im Software-Bereich: Hier spielen plötzlich nicht nur Konzerne wie Legato mit hochkarätiger Kundenliste, sondern auch kleinere Dokumenten-Management- und Security-Anbieter plötzlich eine Geige im Konzert, das für den Anwender immer undurchschaubarer wird.

So kommen Dienstleister ins Spiel, die aufgrund praktischer Erfahrung die geschäftskritische Speicherung und Verwaltung von Daten übernehmen. Immerhin hält sich ein IT-Administrator ganze acht bis zwölf Stunden in der Woche mit Speicherdatenverwaltung auf, heißt es beim US-Speicherunternehmen Creative Networks. Allein Backup und Archivierung beanspruchen einen Großteil dieser Zeit. Aber damit nicht genug: Sobald sich die Zahl der Nutzer eines einheitlichen Mail-Systems beispielsweise verdopple, steige der Mehraufwand um ein Viertel.

Laut derselben Quelle, einer aktuellen Kundenbefragung von CNI, stecken bis zu 60 Prozent aller wichtigen oder gar kritischen Geschäftsinformationen im Mail-System – Zugriff auf ihre archivierten Nachrichten “at their fingertips” haben aber nur 19 Prozent. Um solche Probleme in der Praxis zu lösen, versprechen die Netzwerk- und Softwareanbieter derzeit das Blaue vom Himmel. Für sie gilt es schließlich, im einzigen sich derzeit noch bewegenden Markt ihre Grenzen abzustecken.

Im Zuge dieser Entwicklung haben Hersteller wie IBM, HP, Dell und Sun eigene Speicherabteilungen mit Mitteln ausgestattet, die in Konkurrenz zu den “klassischen” Anbietern stehen. Für die Kunden steht damit der Wunsch, “alles aus einer Hand” zu kaufen, gegen den Einkauf beim Speicherhersteller.

Derzeit obsiegt noch der traditionelle Branchenprimus EMC mit 30,2 Prozent des SAN-Markts allein, rechnet der Marktforscher IDC vor. Die Konkurrenzkämpfe mit Neuankömmlingen wie auch Generalisten werden aber härter, weil das SAN-Stück im Speicher-Kuchen geradezu exponentiell wächst, glaubt man dem Gartner-Mann Passmore: “Im Jahr 2006 wird der SAN-Anteil am gesamten Marktvolumen weltweit 80 Prozent betragen.”

Für die Kunden bleibt nur zu wünschen, dass sich diese Zahlen in Preiskämpfen niederschlagen, die nicht zum Ruin der gesamten Branche führen und dennoch günstige Systeme hervorbringen. Mit gemeinhin 80 000 Dollar ist der Grundausstattungspreis für 100 bis 200 Nutzer schließlich derzeit mehr als stattlich.