SAN-Nutzer fordern Anbieter heraus

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Projekt-Autopsie bringt Unerhörtes ans Licht

Bei der rasanten Verbreitung der SAN-Technik in den Unternehmens-ITs geht nicht alles so glatt, wie von den Anbietern versprochen. Den Vorwürfen der Nutzer stellen sich jetzt manche von ihnen – teils zerknirscht, teils zuversichtlich oder gar abwiegelnd. Das SNIA-Branchenmagazin Storage Networking World Online hat die aussagekräftigsten Fragen und Antworten zusammengetragen.

So wurde beispielsweise die Frage nach Interoperabilität und Kompatibilität vor allem von den Nutzern auf den Tisch gebracht, die SANs tatsächlich aus eigener Erfahrung kennen. Speziell beim Einsatz von Produkten unterschiedlicher Hersteller sprechen viele Anwender geradezu von einem “Alptraum”, da ein funktionsfähiges SAN sich aus vielen ganz unterschiedlichen Komponenten zusammensetze. Beispielsweise kommen da HBAs, Fibre Channel Switches und Disk Arrays auf SCSI- oder Fibre-Channel-Basis zum Einsatz.

Warum dies als Problem benannt wird, ist schnell zu erklären: Wer die Diskussionen in der Branche in den vergangenen Monaten verfolgt hat, kann sich auch ohne eigene SAN-Erfahrung denken, dass beispielsweise Cisco seine Produkte sicherlich nicht so baut, dass sie wie Zahnräder in Brocade-Systeme greifen – von McDatas proprietären Vorstellungen ganz zu schweigen.

Für Claude Lorenson, Produkt- und Marketing-Manager bei Vixel, zählen nur die Ergebnisse für die Industrie: “Obwohl das vor anderthalb Jahren noch ein Stolperstein war, muss ich sagen: Heute hält ein Interoperabilitäts-Problem bei Produkten verschiedener Hersteller nun wirklich keinen Kunden mehr vom Implementieren ab.”

Frank Berry, Vice President Marketing bei Qlogic unterscheidet lieber zwischen Komponentenebenen: “Mit der Hardware gibt es keine Schwierigkeiten, die funktioniert nach dem Plug-and-Play-Prinzip, befolgt man die Herstellerhinweise.”

Schwierig wird es aber, so führt er an, wenn man in höhere Software-Ebenen steigt. “Bei der Autopsie gescheiterter Projekte fanden wir immer wieder heraus, dass wir Teile der Software entfernen oder deaktivieren mussten, um die Implementierung wieder zum Leben zu erwecken – manchmal muss man einfach warten, bis die Software-Hersteller bei späteren Versionen die Kinderkrankheiten beseitigt haben”, so Berry.

Holpriger sieht es da schon bei der Rückwärtskompatibilität aus, die viele Nutzer als “unmöglich” monieren. Selbst wenn die SAN-Komponenten laut Hersteller mit den vorhandenen Systemen “reibungslos korrespondieren” sollten, raube oft die “Übersetzung” nach Trial-and-Error mehr Zeit und Geld, als vorgesehen – und das meist völlig überraschend.

Greg Beutler, Senior Systems Engineer bei Gadzoox Networks, gibt das auch offen zu: “Als SAN-Veteran und -Implementierer seit 1997 kann ich sagen, dass die vorhandenen Komponenten ein SAN durchaus zu Fall bringen können.”

Dabei geschehe folgendes: “Der jeweils mächtigste Switch-Bauer sorgt dafür, dass sein Gerät möglichst nicht mit anderen kompatibel ist – das tut er, um seinen Marktanteil zu sichern und auszubauen, natürlich zum Schaden der ganzen SAN-Gemeinde.”

Bei Vixel ist man sich dessen offenbar bewusst. Lorenson dazu: “Wir machen unseren Kunden schon im vorhinein klar, dass sie eventuell ihre Systeme aufrüsten müssen, wenn sie diesen oder jenen Switch einbauen wollen.”

Bei der Zusammenarbeit der verschiedenen Bauteile eines komplexen SAN setzt er auf Standards: “Kompatibilität mit anderen konkurrierenden Systemen ist schwer zu garantieren”, sagt er. Dabei helfen aber, so der Produkt-Manager, verbindliche Standards, die wenig Freiraum für Fantasie lassen.

Er rät: “Wer sein SAN nach den Angaben eines Standards aufsetzt und lediglich Hersteller dafür bemüht, die sich ebenfalls an diesen Standard halten, sollte eigentlich keine Hürden zu nehmen haben.”

silicon meint: Warten, bis alles standardisiert ist – dann gibt es keinen Ärger. Schön, aber bis dahin wollen auch so manche Kunden ein SAN bauen. Für sie sollten die Hersteller eine Übergangslösung parat haben – doch die Entscheider bei den SAN-Firmen scheinen genauso zu sein, wie ihre Produkte: miteinander inkompatibel.