Intel bastelt Branchenaufschwung alleine

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AMD reibt sich die Hände

Der Chipkonzern Intel scheint die trübe Stimmung am Halbleitermarkt satt zu haben und unternimmt etwas dagegen. Das Unternehmen plant, die Preise für Flash-Speicherchips, wie sie in Handhelds und Mobiltelefonen verwendet werden, deutlich anzuheben.

Da Intel die Vorreiterrolle und die des Größten gleichzeitig genießt, müssten andere Hersteller nämlich nachziehen, was höhere Gesamtpreise im Chip-Umfeld und höhere Gewinne für die Hersteller zur Folge hätte. Derzeit liegt der Preis für 128-Megabit-Prozessoren zwischen 7 und 17 Dollar.

Die Ankündigung von Intel wird weithin als Signal betrachtet, dass die Zeit der Dumpingpreise, die so viele Anbieter vom Markt verdrängt hat, nun vorbei sei. Wachstum scheint wieder angesagt.

Die Preiserhöhung ist aber nach Aussage von Intel-Sprecher Tom Beerman nicht aus der Luft gegriffen: “Der steigende Handyabsatz kurbelt die Nachfrage kräftig an.” Die Versorgung klappe zwar derzeit noch ganz gut, aber die Situation verschiebe sich langsam. Nach der Lehre von Angebot und Nachfrage müssten die Preise einfach steigen.

Aber nicht nur der Handyabsatz allein sei verantwortlich – wie auch die jüngsten, sehr erfreulichen Gartner-Zahlen für den Mobilfunkmarkt belegen. Die Handyhersteller selbst trügen zu immer weiter steigender Nachfrage bei. Und dies einfach dadurch, dass sie in ein einzelnes Gerät gleich mehrere der leistungsstarken kleinen Speicherkraftwerke einbauten. Dieser Trend sei zwar erst seit dem dritten Jahresquartal zu beobachten gewesen, habe aber gerade erst begonnen und werde wohl noch anhalten, vermutet Intel.

Intel-Konkurrent AMD wird allerdings auch davon profitieren, wenn die Preise für die Prozessoren anziehen: Immerhin hat das Unternehmen seinen Produktions- und Forschungsanteil daran deutlich erhöht. Ganze 40 Prozent will das Unternehmen nach den Worten von Abteilungsleiter Bertrand Cambou sogar am Flash-Speicherprozessoren-Markt halten – und das mit Ende des nächsten Jahres. Auch Cambou hält die Idee von Intel nicht für abwegig: “Der Flash-Bereich ist der am schnellsten wachsende Sektor im Halbleitermarkt.”

Intel baut sich inzwischen ein anderes Standbein weiter aus. Im Bereich der Prozessoren für TK- und Netzwerkausrüstung sucht der Konzern nach neuen Techniken. Mit PCI Express soll ein Vorstoß gewagt werden, der schnellere und stabilere Verbindungen in den Schaltkreisen und Prozessoren verspricht. Nach amerikanischen Medienberichten sind als Technikpartner bereits die Unternehmen Alcatel, EMC, Hitachi, Marconi und Siemens anvisiert.

silicon meint: Der Kampf um die Prozessoren-Vorherrschaft entbrennt erneut. Sollte sich allerdings Konkurrent AMD das größte Stück vom Kuchen abschneiden können, so dürfte der Chipkönig schwer verschnupft sein. Auch ein Netzwerk-Erfolg dürfte ihn nicht lange darüber hinwegtrösten, dass er lässig Vorteile im Wachstumsmarkt Mobilfunk verschenkt hat. Vielleicht rechnet er aber damit, dass der gesamte Markt ja 100 Prozent ausmacht und bei 40 Prozent, die an AMD gehen, eben immer noch 60 Prozent “frei” sind.