Speicherkonferenz: Bündnisse erzeugen Woodstock-Gefühle

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“Alle Hersteller sind Brüder”, heißt der neueste Hit

Auf der Storage Networking World (SNW), dem Mekka der Branche, brechen in diesem Herbst wahre Neuheiten-Kaskaden auf den interessierten Konferenzbesucher herein. Bei näherem Hinsehen erweisen sich jedoch viele der angekündigten Partnerschaften und Produktmeldungen als gar nicht so spektakulär. So sind es vor allem kleine Anbieter, die stolz verkünden, dass ihre Produkte fortan in die Kisten der “Großen” eingebaut werden.

Ausnahmen davon bildeten lediglich zwei Ankündigungen vom gestrigen ersten Konferenztag. So feierten der PC-Bauer Dell und Storage-Gigant EMC ihre einjährige Partnerschaft mit dem neuen Einsteiger-Speichersystem CX200, das Dell bauen soll und beide vermarkten und vertreiben wollen. Das FC-basierte SAN-System ist in ähnlicher Form auch bei Fujitsu Siemens unter dem Namen Fibrecat CX 200 zu haben.

Die zweite Zusammenarbeit konnten die Fachbesucher auch anfassen und überprüfen: Mit Atto, IBM, CA, Neoscale, Overland und Sant versuchten sechs Hersteller im Laborversuch ein “sich selbst verwaltendes und regulierendes” SAN aufzubauen, das die Speicherverwaltung in heterogenen Landschaften automatisieren soll. Im Labor glückte dieser Versuch, der im Speicheralltag bei den Unternehmen viel Arbeit ersparen könnte.

Die andere Möglichkeit für Hersteller, Geld zu verdienen, scheinen tatsächlich Einsteigermodelle zu sein. So legte auch der SAN-Konzern Brocade – gerade noch stolz das neue Flaggschiff ‘Silkworm 12000’ mit seiner respektablen Größe präsentiert – mit dem Switch Silkworm 3900 ein FC-Produkt mit 32 Ports für den nicht ganz so flüssigen Anfänger vor.

An Neuheiten gab es so interessante Dinge wie einen ‘Tape-Booster’ zu sehen, wie sich Konferenzteilnehmer gegenüber US-Medien scherzhaft äußerten. Dabei handelt es sich um ein Produkt der Firma CNT.

Mit der neuen Backup-Technik auf dem IP-Edge-Router ‘Ultra Net’ lassen sich Speicherbandmedien für umfangreiche Backup-Funktionen einsetzen, verspricht der Hersteller. Dabei würde ein Verfahren eingesetzt, das sich “Tape Pipelining” nenne, und mit dem die Nachteile der kostengünstigen und kapazitätsfreudigen Medien – nämlich Entfernungsabhängigkeit und Zeitintensität – wegfallen würden.

Silicon meint: 2000 gemeldete Fachbesucher und 90 Aussteller, je Tag noch mal etwa 10 Redner aus den Schaltzentralen der Speicher-Macht – das ist angesichts sonstiger Miseren, wie sie zum Beispiel die Telekom-Branche zur Genüge kennt allein schon eine Leistung. Allerdings soll es langsam auch diese siegesgewohnten Unternehmen erwischen. So musste auch Brocade neben seinen neuen Plänen auch eine Gewinnwarnung herausgeben. Lesen Sie morgen unser Exklusiv-Interview mit Brocade-Manager Ulrich Plechschmidt.