Intel-Entwicklertagung: Eiertanz um die IT-Sicherheit

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Wem nützt die LaGrande-Technik?

Auf Intels Entwicklertagung war Revolutionäres zur PC-Architektur zu vernehmen: Eine Technik namens LaGrande soll dafür sorgen, dass auf den damit ausgestatteten Rechnern Kommunikationsvorgänge grundsätzlich verschlüsselt erfolgen – und dass nur signierte Software verarbeitet wird. Diese Technik werde nach und nach in alle Intel-Prozessoren integriert, erklärte Unternehmenschef Paul Otellini auf einer Rede während der Veranstaltung.

“Wenn wir mehr E-Business wollen, dann brauchen wir eine sicherere Umgebung”, sagte Otellini. Das Hardware-Fundament hierzu stelle LaGrande zur Verfügung. Auch Microsofts angekündigte Palladium-Technik für ein “sicheres” Betriebssystem könne auf LaGrande aufbauen.

Hier deuten sich erste Divergenzen in der Einschätzung an: Während Palladium auch darauf abzielt, das unerwünschte Kopieren digitaler Inhalte zu unterbinden, hat Intel nach den Worten Otellinis – wenigstens zunächst – nichts Derartiges im Sinn. Im Gegensatz zu Microsoft hat sich der Prozessorhersteller bisher nicht vor den Karren Hollywoods spannen lassen; das von der Unterhaltungsindustrie betriebene Digital Rights Management war für Otellini zumindest kein vorrangiges Thema.

Auf der Entwicklertagung demonstrierte der Intel-Steuermann Problembewusstsein: Man habe bei der Konzeption von LaGrande auch Datenschutzexperten zu Rate gezogen. Nicht zuletzt aus Gründen des Datenschutzes soll die Sicherheitstechnik abschaltbar bleiben, so dass damit ausgestattete Rechner auch unsignierte Software verarbeiten können. Die Frage bleibt jedoch offen, wie die Branche mit dieser Entwicklung umgehen wird. Kritiker weisen darauf hin, dass damit die Entwicklung “freier” Software unterbunden oder zumindest erschwert werden könne.

LaGrande soll zunächst in die “Prescott”-Chips integriert werden. Prescott ist der Entwicklungsname für die Prozessoren der Pentium-Familie, die etwa in einem halben Jahr auf den Markt kommen sollen.

silicon meint: LaGrande ist eine zweischneidiges Angelegenheit. Einer Verbesserung der Sicherheit steht eine Entmündigung der Anwender gegenüber. Es ist nicht auszuschließen, dass die Digital-Rights-Management-Lobby ihren Druck weiter erhöht und darauf drängt, LaGrande nicht mehr abschaltbar zu machen. Das würde zu einem “kastrierten” Computer führen. Im schlimmsten Fall öffnet das Digital Rights Management einer Zensur Tür und Tor.