Microsoft wirbelt Antivirus-Spezialisten durcheinander

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Angst vor Verdrängung

Einen Tag nachdem Microsoft mit seinem Engagement auf dem Antivirus-Sektor an die Öffentlichkeit gegangen ist, reagieren die führenden Softwarehersteller in diesem Bereich mit Verunsicherung. Microsoft will das rumänische Unternehmen GeCAD übernehmen und mit dem eingekauften Know-how die Absicherung seiner Betriebssysteme verbessern.

Die Spezialanbieter wie Symantec, Trend Micro oder Sophos könnten eigentlich einpacken und sollten sich schleunigst neue Geschäftsfelder erschließen, meinen einige Beobachter. Schließlich sei von Netscape auch nicht viel übriggeblieben, nachdem Microsoft beschlossen hatte, ebenfalls einen Browser zu entwickeln.

Die Hersteller selbst geben sich naturgemäß zurückhaltender, auch wenn sie die Bedeutung des Deals nicht in Abrede stellen. Es sei zwar noch nicht absehbar, wie sich Microsofts Aktivitäten im Antivirus-Bereich entfalten würden, heißt es bei Symanetc, aber “wir begrüßen die Absicht, ein Betriebssystem zu bauen, auf dem die Hersteller von Sicherheitssoftware besser als bisher aufsetzen können”.

Nachdem Microsoft im vergangenen Monat eine Sicherheitsallianz mit anderen Herstellern, unter anderem Trend Micro, auf die Beine gestellt hat, kommen von dort besonders zarte Töne: Der Zukauf von GeCAD unterstreiche die Anstrengungen von Microsoft für mehr Sicherheit in der IT, schreibt Trend Micro.

Kritischer äußert man sich bei Sophos. Denn immerhin seien die Produkte von GeCad ja bisher auch für Linux und den Samba-Server zu bekommen. Jetzt sei fraglich, ob Microsoft diese Versionen auch weiterhin supporten werde.

Außerdem, so Senior Security Analyst Chris Belthoff, gehöre eben sehr viel mehr dazu, eine Sicherheitslösung wie die von Sophos weiterzuentwickeln und aktuell zu halten, als allgemein vermutet werde. Insofern spielt Sophos also die Auswirkungen der Microsoft-Aktivitäten erst einmal herunter.

Bei Microsoft gehen die Planungen dagegen wohl schon sehr viel weiter. Während noch nicht entschieden sei, mit welchem Modell die Antiviren-Engines selbst vertrieben werden könnten, stehe schon fest, dass die notwendigen Updates zur Erkennung neuer Viren und Würmer nur als kostenpflichtiger Zusatzdienst zu haben sein werden, so eine Unternehmenssprecherin.