Windmühlenkampf gegen DeCSS endgültig gescheitert

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Norwegischer Hacker freigesprochen

Die Vereinigung der US-amerikanischen Filmindustrie ist endgültig damit gescheitert, die Dekodierungssoftware DeCSS für kopiergeschützte DVDs verbieten zu lassen. Ein norwegisches Gericht lehnte es nun ab, den heute 19 Jahre alten Urheber der weltweit verbreiteten Software für seine Entwicklung zu belangen.

John Lech Johansen hatte vor vier Jahren als 15jähriger Teenager DeCSS aus verschiedenen Code-Teilen zusammengestellt, um gekaufte DVDs auf seinem Linux-Rechner anschauen zu können. Das war zuvor wegen der Regionalcodierung der DVDs nicht möglich. Johansen stellte getreu dem Anspruch der Opensource-Gemeinde seine Entwicklung dann auch jedermann zur freien Verfügung.

Das Osloer Gericht, vor dem die Motion Picture Association (MPA) geklagt hatte, kam nun einstimmig zu der Auffassung, Johansen habe kein geltendes Recht verletzt und mit der Umgehung der digitalen Schutzvorrichtungen auch keine wirtschaftlichen Interessen verfolgt. Die Staatsanwaltschaft, sowie der Kläger hatten dagegen von “Bandenkriminalität” gesprochen und eine Bewährungsstrafe von neun Monaten für den Beklagten gefordert.

Johansen hatte von Bürgerrechtsgruppen weltweit Unterstützung erhalten – auch finanziell, um seine Verteidigung bestreiten zu können. Softwareentwickler wie auch Politiker warnen, die Veröffentlichungsrechte zu beschränken bedeute auch eine Beschneidung des Rechts auf freie Meinungsäußerung. Das Gericht hob in seiner Urteilsbegründung außerdem hervor, dass es ein wichtiger Bestandteil der Verbraucherrechte sei, legal erworbene DVDs auf jedem verfügbaren Abspielgerät nutzen zu können.

CSS, das Contents Scramble System, wurde durch Johansen nur wenige Wochen nach Erscheinen für die Urheber der DVDs nutzlos gemacht. Auch eine Folgetechnologie konnte Entwickler nicht lange standhalten. Johansen sagte nach dem Urteil, er werde den Erfolg damit feiern, “DVD-Filme zu schauen – aber auf nicht lizenzierten Playern”.