Internetfilter schießen über’s Ziel hinaus

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Auch nützliche Seiten werden blockiert

Internetfilter, die Jugendliche von pornographischen Webseiten fernhalten sollen, wirken oft kontraproduktiv, weil sie auch den Zugang zu wichtigen medizinischen Informationen blockieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des US-Forschungsinstituts Kaiser Family Foundation. In den USA ist Filtersoftware unter anderem für PCs in Schulen oder öffentlichen Bibliotheken vorgeschrieben.

Die Programme erkennen einschlägige Begriffe und verweigern dem Nutzer den Zugang zur entsprechenden Webseite. Das Ergebnis: Da auch Worte wie “Abtreibung”, “Kondom” oder “Safer Sex” auf dem Index stehen, ist es für Jugendliche mitunter unmöglich, gesundheitsrelevante Informationen zu diesen Themen zu bekommen. Laut der Studie werden sogar auch Seiten der US-Regierung blockiert.

Zwar wäre es möglich, den Sicherheitsstandard so zu definieren, dass der Zugang zu bestimmten Gesundheitsseiten erlaubt ist; tatsächlich aber bevorzugen die meisten öffentlichen Einrichtungen die strengste Zensur. Damit werden bis zu 91 Prozent der medizinischen Seiten im Web blockiert.

Vicky Rideout, Vizepräsident der Kaiser Family Foundation, hält das für bedenklich: “Ein wenig Zensur ist in Ordnung, aber mehr davon muss nicht notwendigerweise besser sein.”

Die Hersteller der Filtersoftware sind sich freilich keiner Schuld bewusst. Ein Sprecher des Unternehmens N2H2 meinte nur, die Untersuchung beweise, dass die Software gut funktioniere.

Andere Organisationen sind weniger glücklich mit dem Ergebnis der Studie. Aus einer US-Vereinigung für ‘geplante Elternschaft’ heißt es, die Filter könnten sogar ein Gefahrenpotenzial bergen: “Die Sperren könnten verhindern, dass ein junges Mädchen, das im Netz nach Informationen über Verhütung sucht, diese auch rechtzeitig findet um eine Schwangerschaft zu vermeiden.”