Sind Oracle und Co. so naiv wie Microsoft?

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Open-Source-Datenbanken machen Boden gut

An einen Siegeszug von Linux hat noch vor ein paar Jahren auch niemand geglaubt. Das Ergebnis ist bekannt und nun kommt die nächste Open-Source Welle über klassische Technologien: Datenbanken, die aus dem Internet herunter geladen werden können.

Oracle, IBM oder auch Sybase müssen sich mit Datenbank-Anbietern wie MySQL auseinandersetzen und erkennen, dass der Vorsprung zwischen bezahlter und kostenfreier, beziehungsweise günstiger Anwendung schmilzt. Und das, obwohl die Funktionen und Features noch um einiges hinter den traditionellen Datenbanksystemen her hinkt.

Kevin Harvey, Risikokapitalgeber bei dem US-Venture Capitalist Benchmark Capital, sagte gegenüber dem Wall Street Journal: "Neue Funktionen sind nicht ausschlaggebend. Entscheidend sind Preis und Performance." Wie Linux werde beispielsweise MySQL, dem man den größten Marktanteil bei Open-Source-Software zutraut, erst neue webbasierende Anwendungen bedienen und später immer tiefer in klassische Unternehmensprozesse vordringen.

Der Vice President for Product Strategy bei Oracle, Ken Jacobs, hält dennoch dagegen. Oracle habe andere Kunden als MySQL, die einfache Webseiten organisiere. Kritische Applikationen mit einer großen Datenmenge werde auch weiterhin mit Oracle abgewickelt. “Vor Jahren schon hat man uns vor davor gewarnt, Datenbanken würden ein Massenartikel für Jedermann werden. Daran glaube ich nicht”, so Jacobs ein wenig überheblich.

Der in Atlanta ansässige Kabel-TV-Anbieter, Cox, berichtet allerdings von enormen Kosteneinsparungen, die er durch die Auswahl eines Open-Source-Systems erreicht hat. Für eine der eingesetzten Datenbank vergleichbaren Oracle-Datenbank hätte Cox etwa 300.000 Dollar zahlen müssen, Service-Vertrag noch nicht mitgerechnet. Die Open-Source-Lösung kostet das Unternehmen weniger als 1000 Dollar Lizenzgebühren und rund 12.000 Dollar für den Service. Damit verwaltet Cox 600.000 GB an Daten.

MySQL-Chef Marten Mickos legt noch nach: “Auch große Kunden wissen, dass Tausende kluge Inder, Russen und Amerikaner unser Produkt einsetzen. Diese Wertsteigerung – sie finden Fehler und schreiben neue Features – ist die eigentliche Macht von Open-Source.”