SCO bekommt Mahnschreiben aus der Linux-Gemeinde

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Wer die GPL nicht achtet …

Die Klagen des amerikanischen Softwareunternehmens SCO Group auf Schadenersatzzahlungen wegen Urheberrechtsverletzungen im Quellcode von Linux kommen jetzt mit einem Bumerang zurück. Am vergangenen Sonntag erhielten die Zentrale im US-Bundesstaat Utah sowie die deutsche Niederlassung in Bad Homburg eine Mail von einem der weltweit rund 400 Programmierer, die Wesentliches zum Code beigetragen haben.

In seinem Schreiben stellt der Linux-Experte, der anonym bleiben will, fest, dass SCO auf seinem FTP-Server eine Installationsdatei für seine Distribution Open Linux 3.1.1 zur Verfügung stellt. Darin seien auch Bestandteile enthalten, auf die der Absender Urheberrechte beanspruche. Seine Arbeit habe er unter der GNU General Public License veröffentlicht.

Danach darf jedermann diesen Code verwenden, verändern und weiter verbreiten, sofern er das neue Produkt ebenfalls wieder unter der GPL im Quellcode verfügbar macht. Diese Lizenzbestimmungen, stellt der Programmierer fest, habe SCO nun aber verletzt, indem der Quellcode mit SCO-Bestandteilen nicht erneut unter der GPL veröffentlicht wurde.

Der Entwickler fordert SCO deshalb auf, seine durchgehend mit Name oder Mail-Adresse gekennzeichneten Beiträge zum Code umgehend zu entfernen. Außerdem wird von SCO eine detaillierte Aufstellung der Downloads und Verkäufe verlangt, um eine mögliche Schadenersatzforderung zu begründen.

“Ich behalte mir außerdem das Recht vor, auch die deutsche oder jede andere Niederlassung von SCO auf Schadenersatz zu verklagen”, heißt es weiter. Allerdings bietet der Absender gleich auch einen Verzicht auf eine solche Klage an, sofern SCO von seinen Ansprüchen Abstand nimmt und den gesamten Code unter die GPL stellt.

Der Autor betont ausdrücklich, dass er ausschließlich für sich spricht und keine Angaben darüber machen kann, wie sich die anderen Inhaber von Urheberrechten dazu verhalten. In der Szene wird es deshalb durchaus für möglich gehalten, dass sich SCO schon in den kommenden Tagen mit Hunderten ähnlicher Schreiben befassen muss.