IT-Industrie macht ernst mit Linux

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Zur Eröffnung von Linux World gibt es jede Menge Neuheiten

Was von Microsoft-Chef Steve Ballmer einmal als Krebsgeschwür bezeichnet wurde, gewinnt rapide an Volumen. Heute eröffnet die Linux World Expo in New York ihre Pforten, die wohl wichtigste Veranstaltung zum Thema Open-Source-Software. Die Zahl der Aussteller (inklusive Microsoft) ist dieses Jahr von 120 auf 150 angewachsen.

Die Erwartungen sowohl der Anwenderschaft, als auch der IT-Industrie sind hoch gesteckt: Kaum ein namhafter Hersteller, der nicht Neues anzukündigen hätte – von Middleware bis hin zu Mikroprozessoren, die für Linux optimiert sind. So könnte vielleicht auch die ehrgeizige Vorhersage der Gartner Group wahr werden, die 2003 eine Verdoppelung des Marktanteils von Linux auf insgesamt 9 Prozent sieht.

An der Verfügbarkeit von Linux-fähiger Hardware soll es zumindest nicht scheitern. IBM bietet mittlerweile praktisch das gesamte Portfolio in Linux-Versionen an. Zu den Neuheiten von Big Blue gehört diesmal ein Design für mobile Geräte auf Basis des neuen, stromsparenden Prozessors PowerPC 405 LP und der Embedded-Linux-Variante von Montavista Software, die sich für Handheld-Rechner und Mobiltelefone eignen soll.

Im Bereich Server warten Hersteller wie Hewlett-Packard, Sun und Dell mit neuen Modellen auf, jeder von ihnen mit einem anderen Marktsegment im Visier. Während Sun, der frischeste Neuzugang in Sachen Linux, sich auf Low-end-Server mit Intel-Prozessoren konzentriert, zielt HP mit seinen Itanium-Servern etwas höher. Dell versucht das obere Ende zu erschließen, und zwar mit Linux-Clustern bestehend aus Servern mit bis zu 8 Prozessoren. Silicon Graphics treibt es mit der Skalierbarkeit noch etwas weiter: Seine Altix 3700 Supercluster können mehrere hundert Module mit Itanium-2-Pozesoren handhaben.

Besonders interessant ist die Ankündigung des Intel-Konkurrenten AMD: Dessen im Sommer erwarteter Prozessor namens Opteron soll für Linux-Software optimiert sein. Damit will der “ewige Zweite” im Prozessormarkt dem Wintel-Monopol auf einem anderen Kriegsschauplatz paroli bieten.

Dass das Verkaufen von “kostenloser” Software auch die Basis eines soliden Geschäftsplans sein kann, demonstriert der Linux-Distributor Red Hat. Seine Add-ons zum rohen Betriebssystem schaffen nicht nur die Voraussetzungen für eine breitere Anwendbarkeit, sondern auch für volle Kassen: Red Hat arbeitet seit kurzem profitabel.

Inhalt der Neuheiten von Red Hat und dessen schärfsten Konkurrenten, der Nürnberger SuSE AG, ist der Sturm auf den Desktop. Die Amerikaner zeigen mit “Advanced Workstation” eine noch nicht freigegebene Version des Betriebssystems für Arbeitsplatzrechner auf Basis von Pentium, Xeon und Athlon-Prozessoren. SuSE geht das Thema etwas direkter an und zeigt mit CodeWeavers eine Variante, mit der einzelne Windows-Programme auf Linux-Desktops lauffähig sein sollen.

Auf der System-Management-Front sorgen IBM, Candle und ProActive für Schlagzeilen. Big Blue stellt Tivoli Systems Automation for Linux vor, das für den Betrieb mit den Servern der x- und der zSeries optimiert ist – und selbstverständlich sind die neuen iSeries mit Linux-Prozessor ausgestattet. Candle zielt mit Omegamon XE auf den Test, die Performance- und Verfügbarkeitsanalyse von Linux-Anwendungen ab. ProActive schließlich setzt mit ProActive Watch auf die Überwachung von LANs.