Systems: Open Source gehört fest zum Ensemble

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Aber bei den Patenten rauchen die Köpfe

“Open Source revolutioniert die Softwarebranche.” Unter dieser Arbeitsthese fand auf der Systems eine Diskussionsrunde zum Stand der Entwicklung von freier Software im Unternehmensumfeld statt.

Während Applikationen und Server-Betriebssysteme für einzelne Bereiche bisher durch Administratoren ins Unternehmen gelangten, sind es jetzt die CIOs und CFOs selbst, die freie Software ins Unternehmen tragen. Oft sei es so, “dass wir schon immer mit Open Source gearbeitet haben, ohne es zu merken”, schildert Rudolf Kuhn, Vorstand des IT-Dienstleisters Avinci, ein weit verbreitetes Aha-Erlebnis seiner Kunden.

Schnell kommt da aber auch die Frage nach Softwarepatenten und die Auswirkung einer Patentierung auf Open Source. Denn die Kunden fürchten nicht mehr in erster Linie um die Sicherheit ihrer Systeme oder den Support dafür – sondern die rechtliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Open-Source-Software. Holger Smolinski, bei IBM zuständig für Linux auf der Z-Series, sieht darin auch den größten Stolperstein.

Erstaunlicherweise erfahren die US-amerikanischen Patent-Bestrebungen ihre Abfuhr aber nicht nur aus dem Lager der IT-Dienstleister, die eine Patentierung ihrer Lösungen fürchten, sondern auch von Softwareherstellern wie Core Media. Dessen CEO Sören Stamer meinte, dass ewiges Geldverdienen mit einem Produkt, das zum größten Teil schon längst überholt ist, nicht zum Erfolg führe. “Erfolgreich ist man sowieso nur, wenn man innovativ bleibt.”

Und das gelinge nur, wenn man im Gegenteil seine Entwicklungen mit anderen austausche. “Die Patentierung von Software ist nur eine Verlagerung von Risiken”, so Stamer. Und auch Rupert Hülsey vom IT-Dienstleister Framfab ist sich sicher: “Wenn Patentierungen kommen, dann wird man sich selbst im Weg stehen.” Die Bewertungskriterien, die momentan vorhanden sind, um die Grenze zischen patentwürdigen Errungenschaften und schlichter Entwicklungsarbeit zu ziehen, seien momentan völlig unzureichend, so der Konsens in der Runde.

Moderator Daniel Rieck vom Linuxverband Live wies deshalb auf ein handfestes Beispiel hin: Big Blue habe gerade erst ein Patent zur Online-Toilettenreservierung, etwa für Großveranstaltungen, zurückgezogen. Und das mit gutem Grund, so Rieck. Denn noch immer herrsche keine Einigkeit darüber, zu welchem Zweck es überhaupt Softwarepatente geben soll.

Hinter dem Thema Patente sind andere Fragen derzeit wohl etwas in den Hintergrund getreten. Deutlich werde aber, so die Diskutanten, dass die Lizenzkosten-Freiheit von Open-Source-Produkten nicht mehr allein ausschlaggebend für eine entsprechende Entscheidung der IT-Verantwortlichen ist. Denn inzwischen sei der Support wesentlich schneller als der von kommerziellen Herstellern.

Zum anderen zähle die Sicherheit als großer Pluspunkt. Die aber ergebe sich nicht nur, daraus, dass Hacker momentan in Microsoft-Systemen die lohnenderen Ziele sähen, sondern auch aus der modularen Struktur der Software: Ein Sicherheitsproblem wirkt sich nicht gleich auch noch drei Ebenen darunter oder sogar bis ins Betriebssystem hinein aus. “Open Source funktioniert da gut, wo ein Problem bis ins letzte hinein verstanden worden ist”, so Core-Media-Mann Stamer.

Silicon meint: Das Interesse an den Fragen rund um Open Source hat merklich abgenommen – was aber auch bedeuten kann, dass der Einsatz beispielsweise von Linux-Systemen in den Unternehmen längst Realität ist und sich die Supportkanäle eingespielt haben. Das Thema Softwarepatente allerdings wird uns noch graue Haare wachsen lassen. Manch einer schaut schon nach Berlin und sieht zufrieden Brigitte Zypries im Amt der Justizministerin. Die hatte sich mit Sachverstand schon als Innenstaatssekretärin profiliert und Respekt in der Open-Source-Gemeinde verschafft.