Scott McNealy kassiert Breitseite von Solaris-Anwendern

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“Version 9 für X86 muss endlich kommen”

Sun Microsystems schlägt der Protest seiner Kunden immer heftiger entgegen. In einer halbseitigen Zeitungsanzeige fordern die aufgebrachten Anwender Sun-Chef Scott McNealy ultimativ auf, nun endlich mit der Entwicklung von Solaris 9 für die X86-Architektur fortzufahren.

Im Januar hatte McNealy bekannt gegeben, dass die neueste Version des Sun-Betriebssystems bis auf weiteres nicht für X86 ausgeliefert werde. “Wir verdienen hier einfach weit weniger als in anderen Bereichen, in die wir momentan investieren können”, erklärt Bill Moffitt, Suns Solaris-Manager. “In finanziell engen Zeiten wie diesen müssen wir uns an die Dinge halten, die besser funktionieren.”

Seit vergangenem Mai ist Solaris 9 für Suns Sparc-Architektur verfügbar. Seitdem liefern sich Anwender und Hersteller einen erbitterten Schlagabtausch in der Öffentlichkeit. Sun sah sich bereits genötigt, ausgewählte Entwickler an einen Runden Tisch einzuladen. Bisher hat sich daraus noch keine Entspannung der Situation ergeben.

Es gebe weiterhin keine Pläne, Solaris für X86 vollständig einzustellen, versichert Sun. Man habe eben nur noch keine Zusage für eine weitere Pflege gegeben. “Scott ist unfähig, seine Kunden zu verstehen”, heißt es resigniert in der Zeitungsanzeige. Wenn sich Sun weiterhin darauf versteife, seine wichtigsten Software-Produkte nur für die eigene Hardwarebasis herzustellen, werde die Skepsis der Anwender weiterhin so groß bleiben wie jetzt.

Als immer ernsthafter erweist sich während dessen die Konkurrenz durch das Open-Source-Betriebssystem Linux. Erst vor kurzem teilte der Internet-Händler Amazon mit, er habe seine wichtigsten Systeme von Solaris zu Linux portiert.