United Linux holt aus gegen Windows

EnterpriseSoftware

Erst für den Server … und bald auch für den PC?

Die Alternative zu Microsofts Windows-Welt wird konkreter: In diesen Tagen wollen mehrere Anbieter des offenen Betriebssystems Linux erstmals einen Blick auf ihre Standard-Software gewähren. Und auch bei Sun grübelt man offenbar über ein verstärktes Linux-Engagement nach.

Noch in der ersten Septemberhälfte wollen vier Linux-Distributoren den Schleier lüften, der bisher über ihrem Gemeinschaftsprodukt United Linux gelegen hat: Die Suse AG, die US-Anbieter Turbolinux und SCO Group sowie die brasilianische Softwareschmiede Conectiva wollen der Öffentlichkeit einen ersten Blick auf das Standard-Linux gewähren. Ab November soll die Software regulär in den Verkauf kommen.

“Damit steht erstmals eine weltweit einheitliche Linux-Distribution zur Verfügung”, erläuterte Suse-Sprecher Christian Egle. “Die asiatischen Sprachen werden unterstützt; mit Conectiva ist der Support auch in Südamerika gewährleistet”. UnitedLinux läuft auf einer breiten Plattformauswahl: Neben der IA-32-Architektur werden auch die 64-Bit-Architekturen von Intel und AMD unterstützt.

Die Lizenzbedingungen stehen noch nicht völlig fest; sie sollen erst im Oktober besiegelt werden. “United Linux ist Open Source, aber nicht umsonst” orakelt der Suse-Sprecher. Was wohl bedeuten soll, dass die Anfertigung von Kopien nur innerhalb eines gewissen Rahmens erlaubt sein wird. “Die Einnahmen müssen die Ausgaben für den Support decken”, umriss Egle den Spielraum.

Das aktuell diskutierte United Linux ist für den Einsatz auf Servern vorgesehen. Unterdessen mehren sich die Hinweise, dass eine Linux-Offensive mit Ziel Desktop im Busch ist. So berichtet das Wall Street Journal, dass Sun Microsystems in der kommenden Woche eine entsprechende Ankündigung plant. Das Blatt beruft sich dabei auf Suns Executive Vice President Jonathan Schwartz.

Suse-Vertreter wollten zu derartigen Absichten keine Stellung beziehen. Vermutungen, der deutsche Linux-Marktführer arbeite an einer Art “United Linux für den Desktop”, dürften jedoch nicht völlig aus der Luft gegriffen sein.

Dass Linux grundsätzlich gute Chance hat, belegt auch eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Gartner. Demnach wird der Markt für Linux im Jahr 2007 die 9-Milliarden-Dollar-Grenze überschreiten. Ab dem Jahr 2005 soll Linux bei Unternehmen hoch im Kurs stehen. Schon heute verwenden 80 Prozent der von Gartner befragten Unternehmen zumindest einzelne Linux-Anwendungen.

silicon meint: Der Siegeszug der Open-Source-Idee scheint unaufhaltsam. Und Microsoft sollte sich schon langsam warm anziehen, um der Herausforderung aus dem Linux-Lager zu begegnen. Gerade die Preis- und Lizenzpolitik des Softwaregiganten macht ihn angreifbar – und Linux daher nur umso interessanter.