Sun bringt eigenen Linux-PC

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… da wird sich Bill Gates aber fürchten

Sun Microsystems, für seine Gegnerschaft zu Microsoft bekannter Server- und Software-Konzern, fordert den Erzrivalen jetzt auch auf dem Desktop heraus. Das Unternehmen will einen Desktop-PC mit dem Betriebssystem Linux auf den Markt bringen.

Sun das Angebot auf seiner Hausmesse Sunnet der Öffentlichkeit vorgestellt. Beim Betriebssystem handelt es sich um eine maßgeschneiderte Linux-Variante, die mit Suns eigenem Betriebssystem Solaris vollständig kompatibel ist. Zur Softwareausstattung gehören außerdem das Office-Paket Staroffice, ein Browser, eine Kalendersoftware und die Sun-One-Directory-Dienste.

Der PC ist nicht für Privatanwender gedacht, Vielmehr will sich Sun damit als Komplettanbieter kostengünstiger Lösungen positionieren. Um welche Größenordung es sich handelt, ist daran zu ersehen, dass der Rechner nur im Hunderter-Paket und nur zusammen mit den zugehörigen Servern verkauft werden soll.

Unklar ist bisher, wer den PC produzieren soll. Einem in US-Medien veröffentlichten Interview mit Sun-Manager Loiacono zufolge wird der Rechner aus preiswerten Teilen von der Stange zusammengeschraubt. Beid em Rechner wird es sich um einen Schlicht-PC ohne Multimediafähigkeiten handeln, erklärte Sun-Chef Scott McNelay. Einziges Extra ist eine Leseinrichtung für Smartcards zur Benutzerdentifikation. Die Markteinführung soll “in wenigen Monaten” stattfinden.

In Analystenkreisen wurde die Befürchtung geäußert, Suns Linux-Strategie könne den bestehenden Servermarkt kannibalisieren. Sun-Vertreter meinten dagegen, Linux sei lediglich eine Ergänzung des Produktspektrums zum Low-end hin und halte die Anwender davon ab, ins Microsoft-Lager überzulaufen.

silicon meint: Ein radikaler Kurswechsel für Sun? Nicht unbedingt. Zwar hat Unternehmenslenker Scott McNealy bisher vehement dafür gefochten, alle Hardware-Produkte mit dem Sun-Logo auf einer einzigen Architektur aufzubauen. Aber am Desktop hat diese Strategie keine Chance mehr – PCs sind einfach zu billig geworden. Und vielleicht gelingt es ja, über die Kombination Linux und Star Office dem Konkurrenten Microsoft einige Anwender abspenstig zu machen.