Ist Open Source eine juristische Zeitbombe?

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Deutsche Rechtsstudie warnt vor Haftungsrisiken

Wie sicher ist der Einsatz von Open-Source-Software? Eine Studie des Göttinger Rechts-Professors Gerald Spindler kommt zu dem Ergebnis, dass gerade Unternehmen und Softwarehersteller sich mit Open-Source-Software juristische Unsicherheiten ins Haus holen. Die Studie hatte der Verband der Softwareindustrie (VSI) in Auftrag gegeben.Spindler betrachtet die GPL (GNU General Public License), unter der ein Großteil der Open-Source-Software veröffentlicht wird, mit dem Blickwinkel von deutschem Urheber, Vertrags- und Haftungsrecht. Demnach ist die so in Umlauf gebrachte Software zwar als Schenkung zu betrachten, was die beteiligten Entwickler aber nicht von ihrer Haftung ausschließt, meint Spindler. Der Gewährleistungsausschluss in § 11 GPL verstoße gegen Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) und sei damit nichtig.

Das gelte für einen einzelnen Entwickler selbst dann, wenn er nur geringe Teile der Software erstellt habe und keinen maßgeblichen Anteil daran hatte. Somit, folgert der Jurist, würden auch Arbeitgeber rechtliche Risiken eingehen, die ihre Mitarbeiter dafür bezahlen, an Open-Source-Produkten mitzuarbeiten.

Aus der Sicht der Anwender ergibt sich damit aber kein sehr viel befriedigenderes Bild. Denn Haftungsansprüche könnten Spindlers Meinung zufolge nur dann geltend gemacht werden, wenn eine grobe Fahrlässigkeit festgestellt werden könne.

Wie drängend solche Frage schon sehr bald werden, belegen Umfrage-Ergebnisse von Soreon Research für den bundesdeutschen Markt: Danach soll sich der Unternehmensmarkt für Open Source von heute 131 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren auf 307 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Die Zahl der Anwender werde im gleichen Zeitraum auf 24 Prozent steigen.

Getrieben werde diese Entwicklung vor allem durch den massiven Zuspruch aus den öffentlichen Verwaltungen – für gewöhnlich eine Klientel, die auf rechtliche Unsicherheiten besonders sensibel reagiert. Die Software-Dienstleister, die vier Fünftel ihrer Umsätze im Open-Source-Umfeld mit Support und Training erwirtschaften, dürften in Zukunft also auch Fragen nach der rechtlichen Absicherung und der Wirkungsweise der GPL zu beantworten haben.

silicon meint: Der Streit zwischen den Softwareherstellern SCO und IBM hat in den vergangenen Monaten ein Schlaglicht auf die rechtlichen Fragen rund um Linux geworfen. Bisher aber wurden noch keine größeren Fälle bekannt, in denen die amerikanisch geprägte GPL auf deutsches Recht heruntergebrochen werden musste. Das dürfte unter anderem daran liegen, dass das Interesse der beteiligten Entwickler an einer Weiterverbreitung immer größer war als andere Faktoren. Sprich: Bisher wurden solche Fragen innerhalb der Community gelöst. Dabei wird es sicher nicht bleiben. Die Behandlung der rechtlichen Fragen wird sich deshalb maßgeblich auf die weitere Verbreitung von Open-Source-Software auswirken.